Was wir zur Zeit hören

Klangperlen und künstlerische Leckerbissen
Hybrid-OLI
Aktiver Hörer
Beiträge: 330
Registriert: 15.02.2017, 19:23

Beitrag von Hybrid-OLI »

Servus Jochen

Schön, daß ich nicht der Einzige bin der mit George Benson was anfangen kann.

Klanglich besteht zu den Originalalben eigentlich kein wirklicher Unterschied.
Freilich ist der Kompressionsgrad je nach Veröffentlichung teils deutlich unterschiedlich.

Was mich bei ein paar Aufnahmen vom Benson George aber doch stört ist die teilweise exorbitante
Höhenarmut einiger Aufnahmen aus der 2. Hälfte der 70er. Da muß ich dann Abhilfe schaffen. ;-)


beste Grüße
Oliver
Bild
alcedo
Aktiver Hörer
Beiträge: 1478
Registriert: 09.12.2019, 20:21
Wohnort: NRW

Hexaméron - wer kennt das?

Beitrag von alcedo »

Hallo zusammen,

Hexaméron - wer kennt das? Nein, nicht Hexaemeron (die 6 Schöpfungstage aus der Bibel).

Ich las kürzlich über dieses Klavierwerk, einem Auftragswerk einer Prinzessin an Liszt, ihr doch bitte ein Variationswerk nach einem Thema aus Bellinis Oper "I Puritani" zusammenzustellen. Liszt lies 5 Komponisten jeweils eine Variation schreiben und komponierte selbst neben seiner Variation noch die Einleitung, verschiedene Interludes und das Finale dazu. Und diese Komponisten (und zudem begnadete Klaviervirtuosen wie er selbst) sind das who-is-who der damaligen Zeit: Frédéric Chopin, Carl Czerny, Henri Herz, Johann Peter Pixis und Sigismond Thalberg. Letzterer war zu dieser Zeit so berühmt, dass der Auftrag als "Duell" der beiden größten Pianisten der Welt galt.

Die Variationen hören sich sehr gut an, abwechslungsreich, fantasievoll, ideenreich - und für Pianisten sind sie eine echte Herausforderung. Vielleicht sind sie deshalb nicht häufig eingespielt worden - die Auswahl ist zumindest sehr überschaubar.

Beim Vergleichen bin ich auf eine wahre Entdeckung gestoßen: Raymond Lewenthal!

Bild

Wie vom Hexaméron hatte ich auch von diesem Pianisten zuvor noch nie gehört: was für ein Virtuose. Er wurde in den 50ern als großes Talent gehandelt bis er 1953 beim Spazierengehen in New York´s Central Parc von einer Bande überfallen wurde und ihm Arm- und Handknochen gebrochen wurden. Erst 12 Jahre später wagte er sich wieder auf die Bühne und hatte u.a. mit Werken von Alkan riesigen Erfolg. Auf diesem Album sind sowohl Alkan als auch das Hexameron zu hören. Ein virtuoses Feuerwerk!

Viel Spaß,
Jörg
Bild
Marbello
Aktiver Hörer
Beiträge: 118
Registriert: 16.06.2016, 16:10
Wohnort: Berlin

Beitrag von Marbello »

Ich habe die Aufnahmen auf Vinyl,allerdings auf 2 Lps verteilt.

Bild

Bild

Lewenthal ist schon ein bemerkenswerter Tastenlöwe des romantischen Repertoires.
Neben den oben abgegebenen Aufnahmeen gibt es auch das Duell mit Stücken von Liszt und Thalberg, das Henselt Klavierkonzert mit der Lewenthal Variante von Liszt Totentanz, Rubinstein und Scharwnka Klavierkonzerte, die habe ich alle als Vinyl, bei CDs habe ich keinen Überblick. Nach den Covers scheint Lewenthal ja gerne einen dämonischen Eindruck zu kultivieren.
Bild
Bajano
Aktiver Hörer
Beiträge: 593
Registriert: 31.10.2015, 18:24
Wohnort: Zwischen Bonn und Koblenz

Mehmet Ergin - Tales From Enchanted Gardens

Beitrag von Bajano »

Hallo zusammen,

auf Empfehlung eines sehr guten Forumsfreundes aus der Pfalz habe ich mir heute das Album Tales From Enchanted Gardens von Mehmet Ergin aus dem Jahre 2003 angehört.

Bild

Die Musik und auch die Aufnahme gefällt mir so gut, dass ich das Album in die Kategorie "Lieblingsalben" aufgenommen habe :cheers:.

Wikipedia schreibt über den Künstler:
Als Sechsjähriger kam der Sohn einer Tänzerin und eines Musikers mit seiner Familie mit der ersten türkischen Gastarbeiterwelle nach Bremen. Hier verbrachte er seine weitere Kindheit. Im jugendlichen Alter begann Ergin mit der Komposition erster eigener Melodien. Seine erste Band gründete er mit 16 Jahren. Nach dem Abitur begann Ergin zunächst ein Lehramtsstudium, entschied sich schließlich aber doch für eine Laufbahn als Berufsmusiker. Mit 25 Jahren war er bereits durch Auftritte mit Musikern wie Albert Mangelsdorff oder Joachim Kühn als Jazzgitarrist in der Szene bekannt. Bis heute sind es weit über hundert Produktionen, an denen Ergin mitgewirkt hat. Dabei hat er unter anderem mit Stars wie Ute Lemper, Michy Reincke und Katharina Franck zusammengearbeitet.

Früh produzierte Ergin auch selbst Musik, so 1983 das niederdeutsche Musikalbum des Kieler Duos Erichsen Must di ni agern, für das er auch einige Lieder komponierte, arrangierte und die Gitarren einspielte. 1986 gründete er dann eine Musikproduktion mit Studio in Hamburg. Im Rahmen dieser produzierte er bekannte Werbemusiken und Jingles unter anderem für Mercedes, Sparkasse, Otto-Versand und RTL2.

Sein erstes eigenständiges Album als Sologitarrist erschien mit Beyond The Seven Hills (1996). Dieses erhielt eine Echo-Nominierung im Bereich „Beste Jazzproduktion“ und rangierte lange Zeit in den Weltmusikcharts der Musikwoche. Ergin komponiert zudem Scores für Filme und Serien, so schrieb er 2001 die Filmmusik zu Buket Alakuş Kinofilm Anam, der gleichsam auf ARTE und im ZDF zu sehen war sowie als Soundtrackalbum veröffentlicht wurde. Im Konzertbetrieb macht sich der Gitarrist eher rar, hatte aber dennoch bemerkenswerte Auftritte, etwa beim Strings of Fire Festival im Leipziger Gewandhaus.

Mit Ergin Records gründete der Musiker 2002 sein eigenes Musiklabel, unter dem er unter anderem sein zweites Soloalbum Tales from Enchanted Gardens (2003) veröffentlichte.


Viel Hörspaß & beste Grüße,
Oliver
Bild
Melomane
Aktiver Hörer
Beiträge: 2748
Registriert: 14.10.2011, 18:30

Beitrag von Melomane »

Hallo,

ohne viele Worte das:

Bild

deswegen:

https://www.tagesschau.de/kultur/sander ... n-101.html

Viele Grüße

Jochen
Bild
Hybrid-OLI
Aktiver Hörer
Beiträge: 330
Registriert: 15.02.2017, 19:23

Beitrag von Hybrid-OLI »

Bild


Noch zu seinen Lebzeiten 1994 entstandenes Tribute-Album zu einem der allergrößten Soulbrothers ever. Einer der wohl bedeutendsten Soulmusiker - sowohl was seinen persönlichen Erfolg betrifft, als auch seine Wirkung auf andere Musiker. Ebenso trat Mayfield als wichtiger Bürgerrechtler in Erscheinung der sich stets vehement für die Rechte der Afroamerikaner einsetzte. Mit "Superfly" (1972) schuf er einen absoluten Klassiker sowohl des Souls, als auch der Blaxploitation-Ära. Viele weitere, teils richtungsweisende Tracks sollten folgen. Infolge eines bei einem Konzert 1990 erlittenen Unfalls war er bis zu seinem Tode 1999 querschnittsgelähmt, machte aber weiter Musik.

Auf diesem Tributealbum findet sich ein Artists Line Up wie man es wohl äußerst selten zu Gesicht bekommt.
Klanglich okay.
Da die Musik es aber wirklich verdient hat, werde ich noch etwas Hand anlegen.


groove on !
OLI
Bild
Melomane
Aktiver Hörer
Beiträge: 2748
Registriert: 14.10.2011, 18:30

Beitrag von Melomane »

Hallo,

geht doch nichts über eine sorgfältige Edition: ;)

https://www.qobuz.com/de-de/album/treas ... 9497467525

Den Melchior ficht's glücklicherweise nichts mehr an. Der singt einfach nur göttlich! Aber seid gewarnt, sind halt alte Aufnahmen. Aber wenn man sich drauf einlässt, ist man verloren. In der Musik.

Viele Grüße

Jochen
Bild
Hybrid-OLI
Aktiver Hörer
Beiträge: 330
Registriert: 15.02.2017, 19:23

Beitrag von Hybrid-OLI »

Bild

Diese 2019er-Compilation umfaßt den "klassischen Al Jarreau" Mitte der 70er bis Mitte der 90er und damit die imho besten Tracks dieses Jahrhundert-Vokalisten.
129 Tracks am Stück, leider wieder mal ohne weitere Informationen zu den Einzelalben oder zur Bearbeitung. Etwas, daß mich bei Streaming- & Download-Versionen zunehmend ärgert, scheint man doch seitens der Labels davon auszugehen, daß an Information über die Aufnahmen sowieso kaum noch jemand interessiert ist. Für mich eine absolute Mißachtung des Hörers !
Auch weisen die Tracks teilweise massive Pegelsprünge auf. Hier wurde kein ordentliches Remastering an den Tag gelegt. Andererseits ist die Kompression erstaunlich gering, so daß hier noch echte Dynamik vorhanden ist. Offenbar wurden hier die Mastertapes von damals zugrunde gelegt.
Musikalisch für mich als Al Jarreau-Fan seit 40 Jahren aber ein absoluter Traum, verbinde ich mit den Werken aus den 80ern doch enorme Emotionen.
Alle ggf. auftretenden klanglich-technischen Schwachpunkte lassen sich hier korrigieren.


musikalisch höchst zufriedene Grüße
OLI
Bild
RayDigital
Aktiver Hörer
Beiträge: 315
Registriert: 20.01.2013, 12:58
Wohnort: Bei Wuppertal

Beitrag von RayDigital »

Hybrid-OLI hat geschrieben:
07.10.2022, 22:19
Bild


Musikalisch für mich als Al Jarreau-Fan seit 40 Jahren aber ein absoluter Traum, verbinde ich mit den Werken aus den 80ern doch enorme Emotionen.
Hallo OLI,

ich muss immer wieder feststellen, dass unser beider Musikgeschmack sehr ähnlich ist.
Auch ich verehre Al Jarreau - ich habe ihn bestimmt fünf Mal live gesehen, solo, wie auch zuletzt zusammen mit Joe Sample - und habe mir letztes Jahr deshalb alle seine Alben gekauft, die mir damals noch in meiner Sammlung fehlten.
Ich hatte mich seinerzeit bewusst gegen diese Compilation entschieden, nicht nur weil ich viele der Songs damals schon mein eigen nennen konnte, sondern auch weil ich die Original-Alben zu einem sehr günstigen Preis erwerben konnte.
Auch heute noch kann man u.a. beim bekannten US-Internethändler 5 dieser Alben aus der „Original Album Series“ für wirklich kleines Geld erwerben.

Gruß,
Raimund
Bild
Hybrid-OLI
Aktiver Hörer
Beiträge: 330
Registriert: 15.02.2017, 19:23

Beitrag von Hybrid-OLI »

Hallo Raimund

Selbstverständlich habe ich die Originalalben auch schon alle gehabt. Teilweise in mehreren Ausführungen wie Japan-Pressungen, neuen Remasters oder wie im Falle von "All Fly Home" als originales MFSL-Vinyl. Auch habe ich selbst schon mehrere Alben von ihm remastert. Das Gute an dieser Compilation ist, daß sie quasi non-remastert ist und die Originaldynamik voll erhalten ist. Ideale Voraussetzungen für neue Remasters meinerseits, dennn die oftmals zu hohe Kompression neuer Veröffentlichungen ist bis dato nicht wirklich rückgängig machbar.

Leider war es mir nie vergönnt, Al live zu erleben. Er meinte einmal über das deutsche Publikum, es unterscheide sich vom amerikanischen dadurch, daß Künstler - in diesem Falle er selbst - auch dann nicht in Vergessenheit gerieten, wenn sie seit 20 Jahren keinen Hit mehr hatten. Ich werde seine Musik bis ans Ende meines Lebens spielen, verbinde ich mit seinen Alben teilweise doch unauslöschliche Erinnerungen und Emotionen. Wie kann Musik da noch besser sein ?! :) :cheers:


emotionale Grüße
OLI
Bild
Hybrid-OLI
Aktiver Hörer
Beiträge: 330
Registriert: 15.02.2017, 19:23

Beitrag von Hybrid-OLI »

Bild


Der Soundtrack zu einer PBS-Doku über den 85jährigen Großmeister des akustischen Basses.
Die Dokumentation beschreibt Carter's Leben von seinen Studentenjahren bis in die Gegenwart.

Dieses Album enthält bis dato unveröffentlichte Aufnahmen aus dem Zeitraum 2014-2021, ist also auch für Leute interessant, die Ron Carter's Alben schon im Schrank haben. Es finden sich hier auch Live-Recordings vom Newport Jazz Festival oder aus dem Blue Note Club in New York.
Musikalisch feinster Akustikjazz in ziemlich guter Klangqualität, der Carter's Mitstreitern ordentlich Raum läßt.

Klasse !
Bild
Melomane
Aktiver Hörer
Beiträge: 2748
Registriert: 14.10.2011, 18:30

Beitrag von Melomane »

Hallo,

der Ron Carter war auch der George Benson Collection dabei:

https://www.discogs.com/de/release/1200 ... Collection

Leckeres Teilchen. ;)

Ansonsten habe ich in den letzten Stunden dreimal Beethovens Dritte gehört. War spannend.

Zunächst die Aufnahme mit Thielemann und den Wiener Philharmonikern:

https://www.discogs.com/de/release/1248 ... Symphonies

Eine Life-Aufnahme und als solche erinnerte die mich an Rattles Einspielung mit den Berlinern. Das Publikum sollte trefflich bedient werden und einen schönen Abend mit einer schönen Darbietung haben. Und den bekam es. Ein Baden in Klängen, ohne die Struktur aus den Augen zu verlieren. Hörenswert auf seine Art. Jedenfalls sollte das Publikum offensichtlich nicht revolutionär erschreckt werden.

Da ging Paavo Järvi mit den Bremern anders vor. Immer wieder hörenswert, auch weil es immer noch wieder Neues zu entdecken gibt bei dieser Lesart Beethovens. Dem glaubt man hier schon mehr den Revolutionär. Auch eben in der Neuheit der Komposition. ;)

https://www.discogs.com/de/release/9884 ... Symphonies

Ich fand die schon als LPs spannend. Die Cds sind aber auch gut anhörbar.

In derselben Richtung ist Antonini unterwegs:

https://www.discogs.com/de/release/2267 ... Symphonies

Aber zugleich auch völlig anders. Meine Ohren haben den Eindruck, dass das Orchester, die Musik ihnen etwas erzählen möchten. Klangrede der Basler Art sozusagen und höchst spannend. Weil nicht einfach nur ein neuartiger Parforceritt durch die Noten.

Hat wie angedeutet Spaß gemacht. ;) Musik ist einfach was Schönes. :)

Viele Grüße

Jochen
Bild
Horse Tea
Aktiver Hörer
Beiträge: 1530
Registriert: 19.03.2016, 20:22
Wohnort: Unterfranken

Beitrag von Horse Tea »

Melomane hat geschrieben:
22.10.2022, 18:58
Musik ist einfach was Schönes. :)
ja :cheers: , und Beethoven insbesonders. Dein Tip gibt mir Gelegenheit, die dritte mit Rattle und den Berlinern mal wieder zu hören. Die Symphonien versuche ich eher selten zu hören, das gilt für mich nicht nur für LvB. Ich bin eher in der Klavier- und Kammermusik unterwegs.

Viele Grüße
Horst-Dieter
Bild
Hybrid-OLI
Aktiver Hörer
Beiträge: 330
Registriert: 15.02.2017, 19:23

Beitrag von Hybrid-OLI »

Bild

2010er Japan-Edition der Compilation von 2004.

Hier sind die meisten der ganz großen Erfolge der Gebrüder Gibb präsent.
Bei einer Spielzeit von satten 77,5m wurde die CD endlich mal ausgenützt.

Klanglich in Ordnung, d.h. tonal den Originalen entsprechend, wurde - wie immer bei Japan Releases ! - wieder zu hoch ausgesteuert. Aber als "Best of" dennoch empfehlenswert.



beste Grüße
OLI
Bild
Hybrid-OLI
Aktiver Hörer
Beiträge: 330
Registriert: 15.02.2017, 19:23

Beitrag von Hybrid-OLI »

Bild

Im Jahre 2007 nahm Jean-Michel Jarre sein "ground breaking album" von 1976 noch einmal auf. Und zwar mit soweit noch verfügbar, den Originalinstrumenten.
Diverse seiner Kollegen damals empfanden das Album offenbar nicht als Meisterwerk, dennoch aber ist es heute einer der allergrößten Klassiker des Electronica-Genres und mit satten 12 Millionen verkauften Exemplaren auch einer der meistverkauften. Höre ich da angesichts des enormen Erfolges vielleicht gar Neid bei den "lieben Kollegen" der Musikwelt ? ;-)

Für mich verbinden sich mit diesem Album starke Erinnerungen an eine andere, vergangene Welt und an den Beginn meiner musikalischen Sozialisierung.

Wie klingt das Ganze nun ?
Verdammt nah dran am Original, das Monsieur Jarre 31 Jahre zuvor eingespielt hatte. Eigentlich nicht unterscheidbar, außer vielleicht im Unmittelbarvergleich.
Klanglich vorzüglich, werden hier die 70er wieder lebendig.

Das Werk gibt es in diversen Editionen, z.B. auch als DVD, in 5.1 Surround etc.

Fun Fact : Teile von Oxygene part II wurden für das Thema von "Space 1999" ("Mondbasis Alpha 1") verwendet.
Der Science Fiction - Fan erinnert sich. ;-)



beste Grüße
OLI
Bild
Antworten