Hans-Martins Referenzaufnahmen zu Mikrofonierungstechniken

Klangperlen und künstlerische Leckerbissen
Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Das Neumann M250 soll eine spätere HF-dichtere Variante des M50 sein (7-poliger Tuchel-Stecker), so wie aus dem M49 das störstrahlfestere M249 wurde. Hier die Frequenzgänge (oben M49 umschaltbare Charakteristik, unten M50 Kugel mit dem erweiterten Bassbereich, aber 5dB angehobenen Hochton):
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cantusfirmus
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Beitrag von cantusfirmus »

Danke Hans-Martin,

für den Tipp zu den Schubert Symphonien. Wenn ich richtig verstehe: Die Aufnahme ist invertiert, aber der Tontechniker gab das Master korrekt ab. Ich frage mich, warum Plattenfirmen (offenbar sehr viele) hier die Polarität wechseln? Was erwartet man sich davon, wenn doch hier der Konsens herrscht, dass korrekte Polarität jeder Aufnahme zu besserem Wiedergabeergebnis verhilft?

Falls das hier zu OT ist, dann gerne woanders ;)

Beste Grüße, Horst
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Hallo Horst

Es gibt das diesen Thread zum Thema Absolute Polarität.

Die Polarität zu invertieren schafft eine größere Diffusität, die scheint gewünscht zu sein. In der Mono-Ära kann ich das noch nachvollziehen, weil der Klang sich mehr von dem einen Lautsprecher löst, die Höhen auch etwas hervorgehoben werden, bei Stereo ist es aber mMn kontraproduktiv. Außer bei Kopfhörerwiedergabe, wo es (invers) mehr Distanz schafft und die Ablösung vom Kopf fördert, positive Polarität wird als näher, intimer empfunden, nicht gerade das, was man beim Kopfhörer vermisst. Es gibt also Vor- und Nachteile, abhängig von der Wiedergabekette.

Ich denke (Spekulation), die Polaritätsumkehr hat ihren Ursprung in der Mono-Zeit und wurde bei Umstellung auf Stereo nicht rückgängig gemacht, um dieselben Mikrofone weiter benutzen zu können, alle im Studiobestand selbstverständlich polaritätsgleich.

Grüße Hans-Martin
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Ergänzung zum Thread-Thema:

Label: Golden String (Hong Kong, Singapur, USA)
GSCD 014 (Gold CD)
The Artistry of Todd Crow
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Werke von Chopin, Menselssohn-Bartholdy, Schubert, Schumann, etc.
Instrument: Steinway Konzertflügel Modell D Nr. 301986 (hergest. 1940 New York)
Artistic Director: Harold Farberman
Producer: Winston Ma
Studio: Squires Production Inc.
Spars: DDD
Mikrofone: 2 Neumann TLM 50 TL= Transformer-Less= ohne Übertrager
Mixer: Critical Audio
A/D-Wandler: Crystal
Recorder: Sony DAT
Editing: Studer Dyasis II Digital Audio WorkStation
Aufnahmeort: Skinner Hall, Vassar Colledge Poughkeepsie,N.Y.
Datum 24.8.1994
Absolute Polarität: Positiv

Weitere Links zum Neumann M50, Frequenzgang M50b, Polardiagramm
Das Besondere am Neumann TLM50 ist die Montage der Kapsel in eine Acrylkugel, was eine besondere Richtcharakteristik erzeugt.

Ich habe weitere Golden String Produktionen, bei denen allerdings die Konkretisierung des Aufnahmeequipments ausbleibt, die Polarität ist jeweils positiv.
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Melomane
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Beitrag von Melomane »

Hallo Hans Martin,

ist deine Todd Crow Produktion mit dieser Ausgabe inhaltsgleich?

http://www.sieveking-sound.de/product/index/id/1583

Falls ja, wäre die Frage, was ist Henne, was Ei? Ich habe nicht weiter recherchiert. ;)

Gruß

Jochen
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Hallo Jochen
Die GSCD 014 bietet dieselben Stücke wie die FIM UHD 087.
Die angegeben Zeiten, also Tracklängen sind identisch, allerdings ist die Reihenfolge des gleichen Inhalts unterschiedlich.
Wenn man die beiden Schubert Impromptus so auf Track 11 und 14 trennt, deutet das wohl auf eine spätere Bearbeitung hin.
Grüße Hans-Martin
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Label: FIM First Impression Music
FIM XRCD 021
Oh! That Cello
Theresa Perez, Cello, Tim Janis Ensemble
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Recording Engineer: Paul Stubblebine
Producer: Winston Ma
Aufnahme Studio: Scoring Stage Studio, Skywalker Sound
Format: CD
Mikrofone: Stereo: EAR, Multichannel: Front: Neumann 3x M50 (Decca Tree), Rear: Neumann U87
Mikrofonvorverstärker: Avalon M2; EAR 824M, Brent Averill
Mixer: AMS/Neve VXS
Recorder: Analog: Studer 827 (2" 16Tack, 30ips, Dolby)
Recorder: Analog: EAR/ATR 1" 30ips kein Rauschunterdrückungssystem
Datum 7. 9. 1999
Absolute Polarität: Positiv


Label: FIM First Impression Music
FIM SACD 032
River Of Sorrow - Immortal Chinese Instruments
Hui-Fen Min (Erhu, Gaohu) Wei Li (Guzheng) Michelle Li ([url0https://de.wikipedia.org/wiki/Yangqin]Yangqin[/url]) Charlie Lui (Xiao)

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Recording Engineer: Jeff Mee
Producer: Winston Ma
Aufnahme Studio: Mushroom Studios, Vancouver
Format: Live direct-to-two track DSD recording DSD/ SACD und CD/ HDCD Hybrid
Mikrofone: Sennheiser MKH20, Schoeps 22 1b, B&K 4007, Neumann KM84
Mixer: Neve 8068
Recorder: Analog: Ampex ATR102
Recorder: Digital : EMM Labs
Datum 13/14.11.2000
Absolute Polarität: Positiv
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Melomane
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Beitrag von Melomane »

Hans-Martin hat geschrieben:Label: FIM First Impression Music
FIM XRCD 021
Oh! That Cello
Recorder: Analog: Studer 827 (2" 16Tack, 30ips, Dolby)
Recorder: Analog: EAR/ATR 1" 30ips kein Rauschunterdrückungssystem
Datum 7. 9. 1999
Hallo Hans-Martin,

das finde ich erstaunlich, dass 1999 analoge Aufnahmetechnik zum Einsatz gekommen ist. Und sagt das Booklet etwas darüber, welche Stücke von welchem der beiden Recorder stammen? Kann man ggf. Unterschiede hören? Oder liefen die beiden Maschinen nur zur Sicherheit und wurde die CD dann vom Band nur einer der beiden hergestellt?

Gruß

Jochen
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Hallo Jochen,
einige Teile wurden laut Beiheft vorab in Mehrkanal aufgezeichnet, dann wurden die Solistin und der wesentliche Teil im Skywalker Studio aufgenommen und mit Tim de Paravincini Röhrenelektronik in Stereo abgemischt, auf 1" Band ohne Rauschunterdrückung aufgenommen (76cm/s).
Es ist also eine rein analoge Produktion vor dem XRCD-Prozess.
Einen SPARS-Code gibt es nicht, AAD wäre wohl nicht verkaufsfördernd.
Die Tonqualität ist dennoch bestechend.
Grüße Hans-Martin

P.S.
Eine frühere Aufnahme von Teresa Perez unter Golden String wird hier ebenfalls erwähnt, Winston Ma hatte dort das Sagen wie später bei FIM.
Das erklärt auch die Wiederauflage der Aufnahme von Todd Crow (ursprünglich bei Golden String) dann bei FIM.
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Melomane
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Beitrag von Melomane »

Hallo Hans-Martin,

danke für die aufklärenden Infos. Ich höre gerade in den mp3-Stream von Qobuz rein - ja, allein diese datenreduzierte Fassung klingt schon gut. Schade nur, dass der ganze analoge Aufwand an eine solche musikalische Schmonzette verschwendet wurde. Nun ja, die Geschmäcker sind halt verschieden.

Gruß

Jochen
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Hallo Jochen
Mir ging es in diesem Thread darum, Aufnahmen zu listen, bei denen wenigstens die Mikrofone namentlich erwähnt sind, besser noch, wenn aus Plänen oder Bildern die Positionierung der Micros vor dem Musikern dargestellt wird.
Im Fall der Theresa Perez sieht man ein Foto mit dem EAR (Tim de Paravincini) Mikrofon (Stereo in einem Gehäuse, also vermutlich Blumlein) eine Armlänge vor dem Instrument, sie spielt mit Rechts, das Mikrofon ist vor der anderen Hälfte.
Nicht uninteressant ist das unsymmetrische Abstrahlverhalten, auf Rossing: The Science Of String Instruments, PDF S. 258 Fig. 14.8.
Grüße Hans-Martin
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Melomane
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Beitrag von Melomane »

Hans-Martin hat geschrieben:Waterlily Acoustics
Waterlily Acoustics WLA CS 29CD (1993)
A Meeting By The River Ry Cooder & VM Bhatt
Hans-Martin,

recht hast du - eine wundervolle Aufnahme, bei der man in jeder Hinsicht (technisch wie musikalisch) ins Schwärmen geraten kann. Läuft hier gerade...

Gruß

Jochen
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Wenn man weiß, welche Mikrofone die Musiker aus welcher Perspektive aufgenommen haben, man seine Lautsprecher und den Hörraum kennt, kommt die Frage nach dem Studio, in dem das Mastering geschah.
Dazu gibt es eine Empfehlung der EBU European Broadcasting Union Nr. 3276
Grüße Hans-Martin
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Melomane
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Beitrag von Melomane »

Hallo,

das ist übrigens etwas, was mir (auch) an der Studio Konzert-Reihe von Neuklang gefällt: Die verwendeten Mikrofone und ihre Aufstellung sind dokumentiert (ebenso übrigens sonstige Gerätschaften). Der Aufnahmeraum wird natürlich auch genannt. Das hat man in dieser Ausführlichkeit selten!

Gruß

Jochen
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Hans-Martin hat geschrieben:DELOS Productions Inc Los Angeles

1973 von Amelia S. Haygood gegründet, heute im Vertrieb von NAXOS
Marc Aubort and Joanna Nickrenz gehörten zu den Produzenten (auch bekannt von Elite Records und Nonesuch, EMI)
Alle meine Delos Aufnahmen sind exquisit aber INVERTIERT

DELOS 13491 35062 (1991) + 13491 35122 (1997) Engineer's Choice I + II
John Eargle picks his favourite demo tracks
http://i.prs.to/t_200/delosde3506.jpg _ http://media.mdt.co.uk/media/catalog/pr ... 3512_3.jpg
Mikrofone: ORTF 2 Cardioide 2,80m über Dirigent +2 Kugeln 2-3m dahinter -10dB für etwas Raumeindruck
Informationen im Beiheft
Aufnahme: John Eargle
Polarität; INVERTIERT

Delos DCD3001 The Classic Trumpet Concerti of Haydn/Hummel
Gerard Schwarz Y Chamber Symphony of NY
http://images.ariama.com/amg/class/cov2 ... 48n758.jpg
Mikrofone: B&K4134
Mixer Studer 169 Soundstream
Aufnahme: Stan Ricker 1992
Polarität; INVERTIERT
Richard Wagner The Flying Dutchman Ouverture, Lohengrin.. DELOS CD3053 (1987)
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Mikrofone: Sanken CU41, Sennheiser MHD20, Milab DC63, Neumann KM8H
Mixer Soundcraft Series 200B
Sony DAE-1100A
Sony PCM-1630, DMR-4000
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