J.S. Bach - Suiten für Violoncello

Klangperlen und künstlerische Leckerbissen

J.S. Bach - Suiten für Violoncello

Beitragvon zatopek » 29.04.2010, 14:56

Hallo Rudolf

Rudolf hat geschrieben:
Zatopek hat geschrieben:obwohl ich noch nicht einmal meine Lieblingsstücke, die Suiten für Violoncello Solo aufgenommen habe

Dies bitte ich unbedingt nachzuholen.

Gerne :cheers:

Nun, von den ca. 160 verschiendenen Aufnahmen, die ich mein eigen nennen darf, würde ich - als den Klassiker schlechthin - immer noch die von Pierre Fournier aus den sechziger Jahren empfehlen:

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-> amazon.de

Das ist vielleicht nicht die aufregendste und spannendste, aber doch eine Aufnahme, die auch Zuhörer gefallen kann, die sonst eher keine klassische Musik hören; ich hab´s selbst ausprobiert, indem ich sie mehrfach an solche Personen verschenkt habe und durchweg positive Resonanz bekam.

Für Fortgeschrittene gibt es sicherlich interessantere Aufnahmen.

Viele Grüße,

Bernd
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Beitragvon Fortepianus » 29.04.2010, 23:29

Hallo Bernd,

zatopek hat geschrieben:Nun, von den ca. 160 verschiendenen Aufnahmen, die ich mein eigen nennen darf...

:shock:

Für Fortgeschrittene gibt es sicherlich interessantere Aufnahmen.

Casals?

Gruß Gert
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Beitragvon zatopek » 30.04.2010, 10:42

Hallo Gert,

die Aufnahme von Casals gehört natürlich in jede einigermaßen ernsthafte Klassiksammlung. Aber eher aus historischen Gründen. Immerhin haben wir ihm zu verdanken, dass die Suiten als gleichwertige Solostücke anerkannt und gespielt werden und zwar wirklich solo. Es gab ja mal Zeiten, in denen man glaubte, dem Zuhörer den Klang eines einzelnen Cello nicht zumuten zu können, was dazu führte, dass z.B. Robert Schumann eine Klavierbegleitung zu den Suiten komponierte.

Nein, ich dachte eher an Anner Bylsma, Pieter Wispelwey und Phoebe Carrai als Vertreter einer historischen Aufführungspraxis - wenig Vibrato, mehr Improvisation, oder - als krassen Gegensatz: Mischa Maisky (wenn's mal ganz romantisch werden soll ...). Für Interessierte unverzichtbar sind auch die Aufnahmen von André Navarra, Janos Starker, Paul Tortelier und Enrico Meinardi. Da wird es dann schon wieder schwierig, weil jeder die Suiten mehrfach eingespielt hat und leider nicht alle auf CD erhältlich sind. Und dann gibt es noch die "jungen" oder jüngeren Cellisten wie Enrico Bronzi, Anne Gastinel und Daniel Müller-Schott, die man sich wirklich mal anhören sollte, nicht zu vergessen Truls Mork, Thorleif Thedeen und Stephen Isserlis. Oder, wer es wirklich exzentrisch mag sollte sich man Gavril Lipkind oder Mark Haimovitz anhören.

Ach, darüber könnte ich stundenlang reden/schreiben ...

Viele Grüße,

Bernd
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Eric Siblin - Auf den Spuren der Cellosuiten

Beitragvon Rudolf » 30.04.2010, 19:58

Da trifft es sich gut, dass bei mir heute dieses Buch eingetroffen ist:

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amazon.de hat geschrieben:
Ein brillantes literarisches Roadmovie aus der Welt der Klassik

Eines schönen Herbstabends besucht Eric Siblin ein Cello-Suiten-Konzert von Johann Sebastian Bach. Er verliebt sich unsterblich in diese Musik und nimmt sie zum Anlass, sich auf eine facettenreiche Spurensuche zu begeben. Auf dieser begegnen ihm drei Jahrhunderte an Rätseln, Intrigen, Geschichte, Politik und Leidenschaft.

Dieses faszinierende, biografisch gefärbte Sachbuch präsentiert dem Musikliebhaber drei erzählerische Klangteppiche, die spannend miteinander verwoben sind: Bach und die verlorenen Handschriften seiner Suiten aus dem 18. Jahrhundert, Pablo Casals und seine historische Entdeckung dieser Musik in Spanien Ende des 19. Jahrhunderts und schließlich Siblins eigene Leidenschaft für die Cello-Suiten. Seine "Liebesgeschichte" mit diesen Meisterwerken Bachs führt Siblin unter anderem in die Seitenstraßen Barcelonas, in ein belgisches Herrenhaus und auf zahlreiche Konzerte. Erfrischend modern und mit dem Blick eines jüngst Erweckten begeistert er mit dieser außergewöhnlichen Lektüre nicht nur den Klassik-Kenner, sondern alle, die sich unterhaltsam auf musikalisches Neuland begeben und infizieren lassen möchten.

Quelle

Ich bin schon sehr gespannt, nachdem mir bereits Das musikalische Opfer von James R. Gaines ein außerordentliches Lesevergnügen bereitet hat:

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Viele Grüße
Rudolf
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Beitragvon zatopek » 01.05.2010, 06:49

Hallo Rudolf,

Rudolf hat geschrieben:Da trifft es sich gut, dass bei mir heute dieses Buch eingetroffen ist:

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Ach nee, guck mal an: das lese ich auch gerade. Bin schon bei der 5. Suite. :cheers:

Rudolf hat geschrieben:Ich bin schon sehr gespannt, nachdem mir bereits Das musikalische Opfer von James R. Gaines ein außerordentliches Lesevergnügen bereitet hat

Das ist auch ein schönes Buch. Sehr schön aufgemacht und informativ.

Viele Grüße,

Bernd
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Beitragvon Fortepianus » 01.05.2010, 21:33

Ok Jungs,

hab' das Buch auch bestellt.

@ Bernd: Wie es der Zufall will, kommen wir drei Männer heute früh ins Esszimmer, das Frühstück steht dank Annette bereit und zur Feier des Feiertages läuft auch schon Musik: Cellosuiten von Bach :cheers: . Auf meine Frage, welche Einspielung das denn sei: Jo Jo Ma.

Die hast Du gar nicht erwähnt - warum?

Gruß Gert
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Beitragvon zatopek » 01.05.2010, 22:23

Hi Gert,

Gegenfrage: welche Einspielung von Yo-Yo Ma meinst du ? Er hat sie nämlich soweit ich weiss mindestens zweimal aufgenommen, einmal 1982 und ein weiteres mal im Rahmen eines Video-Projektes "Cello Suites - inspired by Bach" 1997. Letzte Aufnahme gibt es dann auch als DVD.

Nun, die frühe Aufnahme von ihm ist recht gut. Er spielt die Suiten schwungvoll, teilweise sehr belebt, kann man sich wirklich anhören. Zu der späteren habe ich wieder ein zwiespältiges Verhältnis: er scheint sie meines Erachtens betont meditativ langsam zu spielen. Damit komme ich nicht klar. Enrico Meinardi z.B. - jedenfalls in der Aufnahme, die ich habe - zelebriert die Suiten ebenfalls sehr betont meditativ, aber bei ihm klingt das wesentlich interessanter. Ich weiss nicht wie ich das erklären soll. Yo-Yo Ma scheint seine Interpretation auf die einzelnenen Videos abgstimmt zu haben. Damit funktionieren sie auch recht gut. Aber alleine als Musik finde ich sie uninteressant und eher langweilig. Und was gar nicht geht: die 4. Suite ist auf die beiden CDs verteilt: bis zur Courante auf CD 1, ab der Sarabande auf CD 2 ! Ich musste mir extra eine Playliste erstellen, um sie komplett anhören zu können.

Viele Grüße,

Bernd
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Beitragvon Fortepianus » 01.05.2010, 23:03

Hallo Bernd,

ob Jojo wohl ein Freud'scher Verschreiber war :mrgreen: ? Es muss die 97er Einspielung gewesen sein, habe eben auf meiner Festplatte nachgesehen, da gibt's von Yo-Yo Ma keine andere.

Gruß Gert
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Beitragvon Fortepianus » 04.05.2010, 21:57

Hallo Bernd,

zatopek hat geschrieben:Oder, wer es wirklich exzentrisch mag sollte sich man Gavril Lipkind oder Mark Haimovitz anhören.

habe mir die Fassung von Gavriel Lipkind auf Deine Anregung hin bestellt und sie kam heute an. Mal schnell gerippt und eben läuft sie - ich finde sie richtig gut. Hat Tiefgang, kommt aber bei Bedarf auch leicht und federnd daher. Was mir auch sehr gut gefällt - sein warmer Ton, der mit einer ganz exzellenten Tontechnik eingefangen ist. Der Korpus des Instruments steht da etwa 4m vor mir und sein Atmen füllt den Raum ebenso wie das des Cellisten selbst - wunderschön.

Danke für den Tipp und Gruß
Gert
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Beitragvon zatopek » 06.05.2010, 11:58

Hallo Gert,

schön, dass dir die Aufnahme von Lipkind gefällt.

Was sagst du denn zu seinen Ausführungen über die religiöse Bedeutung der Suiten ? Ich muss gestehen, dass mein Englisch eher schwach ist, so dass ich wahrscheinlich nicht alles richtig verstanden habe. Aber soweit ich dem folgen konnte, unterlegt er den Suiten eine Bedeutung, die ich nun wirklich kaum nachvollziehen kann.

Seiner Spielweise scheint das keinen Abbruch zu tun. Im übrigen ist die Aufmachung der CDs ja schon extravagant.

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Viele Grüße,

Bernd
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Beitragvon Rudolf » 06.05.2010, 13:27

Die Gestaltung der CD-Box erfolgte durch Carolyn Steinbeck:

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Wenn sich Lipkinds Aufnahme so gut anhört wie sie ausschaut ...

Viele Grüße
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Beitragvon Kienberg » 06.05.2010, 13:59

Hallo Rudolf,

besten Dank für diese wunderschöne Animation.

Jetzt bedauere ich natürlich unsere CD-Ripper, die haben ja, neben dem grundsätzlichen Wegfall der taktilen Reize des CD-Auflegens, nun nur einmal, und dies auch nur am PC, das Vergnügen, diese interessante "Öffnungsprozedur" der Lipkind-Box zu zelebrieren ...

... sollten wir hier nicht ein generelles "Ripp-Verbot" aussprechen? :wink: :mrgreen:

Gruss
Sigi
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Beitragvon uli.brueggemann » 06.05.2010, 14:06

Kienberg hat geschrieben:... sollten wir hier nicht ein generelles "Ripp-Verbot" aussprechen? :wink: :mrgreen:

Jawoll, "Klapp-Gebot" anstelle vom "Ripp-Verbot". Was anderes ist mit mir nicht zu machen. :cheers:

Gruss, Uli
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Beitragvon zatopek » 07.05.2010, 23:38

Rudolf hat geschrieben:Da trifft es sich gut, dass bei mir heute dieses Buch eingetroffen ist:

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Ich habe mal meine Meinung zu dem Buch bei amazon eingestellt, und zwar hier:

Vorweg: ich bin - leider - weder ausgebildeter Musiker, noch habe ich Musikwissenschaften oder verwandte Gebiet systematisch studiert. Mir fehlen deshalb viele grundsätzliche theoretische Kenntnisse. Andererseite bin ich ein großer Bewunderer und Liebhaber der Violoncello - Suiten von J.S. Bach und sammle sie seit etlicher Zeit in allen möglichen Varianten. Einen Tag, ohne zumindest ein Suite anzuhören, geht gar nicht; oft sind es mehrere und wenn ich Zeit habe auch gerne den ganzen Zyklus hintereinander weg. Und obwohl ich sie schon so oft gehört habe, haben sie für mich nichts von ihrer Faszination eingebüßt.

Natürlich hatte ich mich - als im vergangenen Jahr die erste Vorankündigung erschien - auf das Buch von Eric Siblin sehr gefreut und viele neue Gedanken zu der Entstehungsgeschichte, der Stellung in Bachs Gesamtwerk und vor allem zur heutigen Aufführungspraxis erwartet.

Nach der ersten Lektüre hinterläßt das Buch bei mir leider einen sehr zwispältigen Eindruck. Positiv zu vermerken ist Siblins Bemühen, diese sperrigen Werke einem großen Publikum nahezubringen. Dafür gebührt ihm Anerkennung und Respekt. Auch wenn ein wenig unklar bleibt, worin nun für ihn die besondere Bedeutung gerade dieser Stücke beruht - Bach hat ja auch weitere Solostücke für verschiedenen Instrumente geschrieben, die einen durchaus vergleichbaren Stellenwert haben.

Dass es "sorgfältig recherchiert" sein soll, bezweifle ich. Nur ein Fakt: Siblin erwähnt, der Katalog zähle ca. 50 Einspielungen der Suiten ein. Ich darf mich glücklich schätzen, ca. 160 Aufnahmen von 130 verschiedenen Interpreten zu besitzen und ich weiss, dass sind längst noch nicht alle. Derzeit sind es - bis auf eine frühe Aufnahme von Anner Bylsma - nur CDs. Die Schallplattenbörsen werden da mit Sicherheit noch die eine oder andere Überraschung bereit halten.

Es wurde bereits auf die drei Stränge des Buches hingewiesen: 1. Bach, Leben, Werk und Entstehung und Schicksal der Suiten, 2. Pau Casals, Leben und künstlerisches Werk und 3. Siblin und seine Erfahrungen mit den Suiten. Das ist schon ein beeindruckendes Programm. Problematisch finde ich Siblins einschränkungslose Verehrung für Pablo Casals. Dass dieser ein eher schwieriger Charakter gewesen sein muss, der sich nicht scheute, auf vage Verdächtigungen hin auch schon mal die Karriere einen anderen Cellisten - Gaspard Cassadó - zu ruinieren (nachzulesen in dem Buch von Harald Eggebrecht "Grosse Cellisten" Große Cellisten) wird leider verschwiegen.

Im Übrigen zeichnet sich das Buch durch etlich Mängel aus:

1. Siblin ist - ebenso wie ich - weder professioneller Cellist, noch Musikhistoriker, noch -wissenschaftler. Seine Kenntnisse der Barock-Musik sind eher rudimentär. Deshalb bleiben seine Ausführungen zur Aufführungspraxis an der Oberfläche. Da bieten selbst die DVDs mit den Aufnahmen und Kommentaren von Wen-Sinn Yang Bach, Johann Sebastian - 6 Suiten für Solo Cello (Nr. 1- 6) (2 DVDs + 2 CDs / NTSC) mehr an Informationen. Bedauerlich, dass er die nicht zu Rate gezogen hat.

2. Themen, wie Interpretatinsansätze der einzelnen Aufführenden werden nur am Rande angesprochen; im Grunde geht er nicht über das gesammelte Wissen der Booklets hinaus. Gerade das wäre aber äußerst spannend. Wieso etwa gibt es einige Interpreten, die für ihre Auffassung und Spielweise auf eine religiöse Dimension zurückgreifen (Gavril Lipkind und mit Einschränkungen Steven Isserlis), während andere den tänzerischen Charakter betonen, während wieder andere einen fast meditativen Charakter herausheben, wie etwa Enrico Meinardi oder Boris Pergamenschikow.

3. Bedeutende Interpreten der Suiten, wie Enrico Mainardi, Antonio Janigro, Maurice Gendron, Lynn Harrell, Boris Pergamenschikow Bach, J.S.: Cello Suites, Bwv 1007-1012, Daniel Shafran oder André Navarra sucht man vergebens. Von den jüngeren Cellisten, wie Wen-Sinn Yang, Anne Gastinel, Daniel Müller-Schott, Jean-Guihen Queyras J.S. Bach: Complete Cello Suites, Marc Coppey, Heinrich Schiff Cellosuiten 1-6 (Ex Df), Gavril Lipkind ganz zu schweigen. Andere große Cellisten, die sich ihr Leben lang mit den Suiten beschäftigt haben, wie Paul Tortelier - man höre nur seine berührende Aufnahme, die er im Jahre 1990 bereits schwer krank Testament to Bach - The Complete Cello Suite - Paul Tortelier (DVD NTSC) aufgenommen hat, oder selbst ein Cellist vom Format eines Janos Starker, der die Suiten - wie Siblin richtig bemerkt - in seiner Laufbahn fünfmal aufgenommen hat, werden nur am Rande erwähnt. Auch hier finden keine Interperationsvergleiche statt. Die Hörvorschläge sind dann auch äußerst knapp und mangels eines Kommentars nicht nachvollziehbar.

4. Siblin übernimmt etliche Geschichten um J.S. Bach ungeprüft, wie etwa den Vorwurf, er habe sich mit einem seiner Schüler in einen Raufhändel eingelassen oder die Ursprungsgeschichte der Goldbergavariationen. Diese Mythen sind zu Recht in jüngster Zeit in Zweifel gezogen worden.

5. Fast komisch mutet der Fehler an, die Schumann - Bearbeitung der dritten Suiten sei von Peter Bruns in Begleitung eines Pianisten namens Roglit Ishay eingespielt worden. Nun, Roglit Ishay spielt zwar auf der CD das Klavier, ist aber nichts destoweniger eine Frau, was bereits dem Cover unschwer zu entnehmen ist Werke für Cello und Klavier. Nun, halten wir ihm zu Gute, dass es sich möglicherweise um einen Übersetzungsfehler handelt, für den er nichts kann. Dann war aber das Lektorat eher schlampig. Auch seine Auffassung über die Qualität der Schumann-Bearbeitungen kann ich nicht teilen. Als ich dem Booklet entnahm, dass die Bearbeitungen der übrigen Suiten verschollen seien, entrang sich mir ein Stoßseufzer: "Gottseidank !". Ich halte die Bearbeitungen für völlig misslungen. So macht man aus Bach keinen Romantiker. Es fehlt auch der Hinweis, dass Bruns selber die Suiten 1997 für das Label "naive" kongenial eingespielt hat; leieder scheint die Aufnahme selbst vergriffen zu sein.

6. Das Interview mit Mischa Maisky erfolgt tatsächlich im Stil eines Berichtes für eine Pop-Musik-Zeitschrift. Da verbreitet er sich über die Möblierung des Hauses und die Bekleidung des Muiskers, naheliegende Fragen, etwa welche Ausgabe der Suiten Maisky für die Einspielung herangezogen hat werden erst gar nicht gestellt.

Fazit: Schade, ein interessantes Thema wurde hier oberflächlich und unzulänglich behandelt. Enthusiasmus, so ehrenwert er auch sein mag, und das Zusammenstellen von Booklet-Texte alleine reichen nun einmal nicht aus, um einem solchen komplexen Werk wie den Cello-Suiten von J.S. Bach gerecht zu werden.

Quelle

Viele Grüße,

Bernd
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Beitragvon Fortepianus » 08.05.2010, 12:57

Hallo Bernd,

vielen Dank für diese ausgezeichnete und umfassende Kritik des Buches, das bei mir mangels Zeit bisher noch unberüht auf dem Nachttisch lagert. Hätte Siblin vorher von Dir gewusst, hätte eine besser recherchierte Version entstehen können :cheers: .

Zu Lipkinds CD: Die Box ist in der Tat extravagant, dafür aber keinesfalls einfach zu handhaben. Aus der äußeren Schutzhülle kriegt man das Opus nur mit mittelschwerer Gewalt, ok, die kann man dann weglassen, oder wieder drauf machen, wenn man alles gerippt hat :mrgreen: , zum Schutz im Kellerlager. Auch die innere Hülle gibt die CD nur widerwillig her, das machen meine Festplatten erheblich flüssiger. Und die Aufbewahrung des Booklets ist zwar originell, was aber seinen Inhalt nicht ändert. Sorry, Bernd, ich habe mir die Mühe nicht gemacht, das Niedergeschriebene zu Ende zu lesen, habe es nach kurzem Anlesen weggelegt. Dass Bach ein religiöser Mensch war, ist allerdings kein Geheimnis. Ich glaube nicht, dass ich das Booklet irgendwann vermissen werde.

Viele Grüße
Gert
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