Gateway (Abercrombie, Holland, DeJohnette) - Homecoming (Jazz, 1994)

Klangperlen und künstlerische Leckerbissen
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martino
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Gateway (Abercrombie, Holland, DeJohnette) - Homecoming (Jazz, 1994)

Beitrag von martino »

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Meine erster intensiverer Kontakt mit moderner elektrischer Jazzgitarre und etwas gewagterem "outside" Spiel war das 1994er Album "Homecoming" der ECM-Supergroup Gateway (allmusic bio), mit John Abercrombie (Gitarre), Dave Holland (Bass), und Jack DeJohnette (Schlagzeug). Mein Gitarrenlehrer war sich nicht so sicher, ob mir das nicht zu wild sein würde, denn bis dahin hatten wir vor allem Blues, Bossa, und Standards gespielt. Aber die jazzbegeisterte Familie des Musik-Kompagnons hatte mich kurz zuvor in mein erstes Jazz-Konzert mitgenommen: Jack DeJohnette mit einer mir nicht mehr genau erinnerlichen Band in der Bonner Harmonie. Obwohl der Meister wegen eines für ihn unzureichend gestimmten Klaviers so verschnupft war, dass er rhythmisch den Klavierdeckel knallte und dann irgendwann die Bühne verließ, war ich vom Konzerterlebnis begeistert, und wollte unbedingt eine entsprechende Musikempfehlung aus der Wand an CDs und MCs meines Lehrers. Er schlug dann diese Aufnahme vor, die sowohl Jack DeJohnette beinhaltet, als auch gitarristisch etwas zu bieten hat.
"Homecoming" war mir nicht zu experimentell, und ich ließ mir die CD von meinen Schulfreunden zum Geburtstag schenken. Mehr als einmal wollten die meisten sie aber nicht vorgespielt bekommen. Banausen...
Das Album bietet kraftvollen, modernen Gitarrenjazz, wobei Abercrombies teils effektvoll schwebende und nur angezerrte, teils aber deutlich übersteuerte Gitarre durch Hollands akustisches Bass-Spiel und die Schlagzeug-Rafinesse von DeJohnette sehr gut "geerdet" wird. All das in bester ECM-typischer Aufnahmequalität.

Zum Reinhören ist bei youtube leider kaum etwas zu finden, deshalb hier nur einn Konzertvideo:
John Abercrombie Dave Holland Jack DeJohnette - Homecoming (youtube.com)

Zum Nachlesen:
allmusic review
ecmreviews


Gibts als Download in CD-Qualität z.B. bei qobuz (wo man auch abschnittsweise reinhören kann).


Martin
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martino
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John Abercrombie, John Scofield - Solar (Jazz, 1982)

Beitrag von martino »

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Eine im Gegensatz zu "Homecoming" sehr ruhige Angelegenheit ist das 1982er Gemeinschaftsalbum mit John Scofield. Vorwiegend finden sich leise Duo-Stücke, aufgelockert durch wenige Band-unterstützte Tracks, wobei sich in beiden Fällen die beiden Meister der elektrischen Jazzgitarre schon auf diesem frühen Album wunderbar ergänzen. Wunderschöne kontemplative Musik für spätnachts...

Zum Reinhören:
John Abercrombie & John Scofield – Solar "the bebop album" (Full Album) 1984 (allmusic.com)

Zum Nachlesen:
allmusic review

Gibts als Download in CD-Qualität z.B. bei qobuz.


Martin
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martino
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John Abercrombie - Tactics (Jazz, 1997)

Beitrag von martino »

John Abercrombie, John Scofield - Solar (Jazz, 1982)

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Auch sehr schön ist dieses ECM-Orgelrio-Album mit Abercrombie, Dan Wall, und Adam Nussbaum.

Zum Nachlesen:
allmusic review
ecmreviews
AllAboutJazz review


Gibts als Download in CD-Qualität z.B. bei qobuz (wo man auch abschnittsweise reinhören kann).


Martin
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frankl
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Beitrag von frankl »

martino hat geschrieben:
17.05.2020, 13:31

Meine erster intensiverer Kontakt mit moderner elektrischer Jazzgitarre und etwas gewagterem "outside" Spiel war das 1994er Album "Homecoming" der ECM-Supergroup Gateway (allmusic bio), mit John Abercrombie (Gitarre), Dave Holland (Bass), und Jack DeJohnette (Schlagzeug).
Hallo Martin, hallo Forenten,

das Album gehört auch zu meinen ewigen Favoriten. Soweit ich weiß, hat dieses Trio vier Alben aufgenommen: ca 1975 "Gateway" und "Gateway 2", zu der Zeit sehr innovative Musik, und etwa 20 Jahre später das vorgestellte "Homecoming" und "In the Moment". Die finde ich alle vier sehr gut.

Das Gateway Trio habe ich leider nicht live erleben können, aber mit allen Musikern verbinde ich diverse tolle Konzerterinnerungen.

Dave Holland habe ich das erste Mal in den 80ern gesehen im Bielefelder Bunker Ulmenwall. Eigentlich war die Gage für seine Gruppe viel zu teuer für den kleinen Club mit Bühne inmitten der Zuschauer. Aber am Abend des Endspiels der Fußball-EM wollte die kein Großveranstalter buchen. So waren die bereit, vor kleinem Publikum ein fulminantes Konzert zu spielen, das auch den Musikern offensichtlich großen Spaß gemacht hat. Das war die All-Star-Truppe, die dieses tolle Album aufgenommen hat:
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Die Bandbreite von Musik, bei der Dave Holland mitgespielt hat, finde ich sehr beeindruckend. Zuletzt konnte ich in der Kölner Philharmonie sein Trio mit Chris Potter und Eric Harland hören, so souverän und nicht die Spur von Altersmüdigkeit, zum Anhören:
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Dave Holland und Jack DeJohnette zusammen habe ich mal in einem Konzert im Quartett mit Pat Metheny und Herbie Hancock gehört.
Und Jack DeJohnette auch mit dem Keith Jarrett Trio (mit Gary Peacock).

In Erinnerung bleibt aber auch ein Konzert, bei dem ich einen Platz in der ersten Reihe hatte, im kleinen Kammerkonzertsaal der Heidelberger Stadthalle. Jack DeJohnette hat auch eine riesige Bandbreite und in diesem Konzert hat er mit Michael Cain und Steve Gorn improvisiert; neben seinem großen Schlagzeug hatte er jede Menge Percussionsinstrumente dabei. Kurz vorher hatten die dieses Album aufgenommen, das auch unter audiophilen Gesichtpunkten besonders punkten kann:
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Auch John Abercrombie konnte ich in verschiedenen Besetzungen live erleben. Das erste Mal mit seinem Quartett mit Richie Beirach, die Musik ist deutlich meditativer als Gateway, z.B.:
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Aber auch mit Ralph Towner und einer Mischung elektrischer und akustischer Gitarren, etwa wie auf:
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Und zuletzt in einen wundervollen Konzert im Kölner Stadtgarten aus dem mir neben John Abercrombie auch der großartige Joey Baron am Schlagzeug in Erinnerung ist; da wurden unter anderem die Stücke aus diesem empfehlenswerten Album gespielt:
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Leider wird es keine weiteren Konzerte mit John Abercrombie geben, da er 2017 gestorben ist.

Viele Grüße,
Frank
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martino
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Beitrag von martino »

Vielen Dank für die vielen Anregungen, Frank - die kenne ich außer Aziza alle noch nicht, und werde mich drauf stürzen. Und um die Konzerterfahrungen bist Du zu beneiden! Die Aziza-Tour habe ich in Berlin auch sehen können - Dave Holland ist wirklich einer der konsistent besten Bandleader, immer wieder interessante Projekte mit tollen Sidemen. Wird nie langweilig...

Grüße aus Neukölle, Martin
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