Bach - Weihnachtsoratorium

Klangperlen und künstlerische Leckerbissen

Bach - Weihnachtsoratorium

Beitragvon Sebabe » 25.12.2018, 18:38

Hallo liebe Gemeinde,

für mich jedes Jahr wieder ein besonderer Genuss:

Das Weihnachtsoratorium von Bach in der Einspielung von Suzuki. Für mich eine ganz besondere Einspielung - interpretatorisch und klanglich.

http://www.bach-cantatas.com/Vocal/BWV248-Suzuki.htm

Übrigen, es lohnen sich eigentlich die meisten Einspielungen von Suzuki. Die Matthäus Passion ist zum Beispiel auch extrem gut. Für mich herausragend ist aus klanglicher Sicht die Luftigkeit und Transparenz der Bühne. Selbst bei Passagen mit Orchester und Chor bleibt dieser Charakter erhalten. Das empfinde ich bei vielen anderen Aufnahmen immer als problematisch.

Frohe Weihnachten,
Sebabe
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Beitragvon Rudolf » 25.12.2018, 21:50

Hallo Sebastian,

vielen Dank für deine Empfehlung. Suzukis Aufführung des Weihnachtsoratoriums kenne ich (noch) nicht.

Meine derzeitigen Top 3 sind:

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Philippe Herreweghe mit dem Collegium Vocale Gent
sparsame Besetzung mit maximaler Klarheit

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Karl-Friedrich Beringer mit dem Windsbacher Knabenchor
für Genießer herausragenden Chorgesangs

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Martin Flämig mit dem Dresdner Kreuzchor
großorchestraler Antipode zu Herreweghes historisch informierter Aufführungspraxis

Viele Grüße
Rudolf
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Beitragvon Sebabe » 25.12.2018, 23:07

Danke auch dir Rudolf!

Das gefällt mir am Streaming - man kann sich alles sofort anhören. So habe ich mir (natürlich nur in Auszügen) deine Favoriten gleich mal angehört. Mein Favorit von den dreien war auf jeden Fall der Herreweghe. Dennoch bleibe ich beim Suzuki. Alle hier genannten Werke sind auf hohem Niveau - ganz eindeutig.

Was mir am Suzuki (rein aus der Sicht der Aufnahmetechnik) so gefällt, ist das die Perspektive für mich am "richtigsten" klingt. Die anderen Aufnahmen (auch der Herreweghe) erscheinen mir technisch etwas getuned. Aus guten Grund vielleicht: Ich empfinde die Mischung dort so, als ob jemand mit einem Spotlight immer die wichtigsten Komponenten nach vorne geholt hat. So verpasst man wahrscheinlich auch nichts, wenn man das Werk im Radio hört oder bei geringerer Lautstärke laufen lässt usw. Vielleicht also ein kommerziellerer Ansatz.

Die Suzuki-Aufnahme klingt dagegen erst richtig gut, wenn man die so laut hört, das der Chor in etwa den originalen Pegel hat. Dann sitzt man vor einem sehr saftigen Orchester, das durchgängig einen unglaublichen Schwung versprüht. Man hört den Chor immer klar hinter dem Orchester. Die Tiefenstaffelung bleibt sehr stabil. Das gilt auch für die einzelnen Instrumentengruppen.

Höre ich den Herreweghe bei gleicher Chorlautstärke - fehlt mir oft was vom Orchester (gerade von den Begleitstimmen). Höre ich so, dass das Orchester passt - steigt mir der Chor schnell zu Kopf. Zumal man dann (für meinen Geschmack) die einzelnen Stützmikrofone (vermute ich) zu deutlich gegenüber dem Gesamtklang heraushört.

Also falls sich jemand den Suzuki mal anhören möchte - dann laut hören. :-)
Es wäre sehr interessant hierzu mal die Gedanken eines Tonmeisters zu hören.

Musikalische Grüße
Sebastian
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Beitragvon Mainhattener » 26.12.2018, 23:23

Rudolf hat geschrieben:Bild
Martin Flämig mit dem Dresdner Kreuzchor

Hallo Rudolf,

Deine dritte Empfehlung ist auch für mich ein absolutes Highlight, weil sie mich von der Interpretation her an eine Aufführung erinnert, an der ich aktiv mitwirken durfte.

Viele Grüße und weiterhin schöne Weihnachten

Matthias
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Beitragvon matwei » 28.12.2018, 12:44

https://www.amazon.com/gp/product/B000001WVQ

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Das ist mein Highlight vom Weihnachtsoratorium!
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Beitragvon frankl » 08.01.2019, 00:29

Hallo Forenten,

gestern habe ich mir mal wieder verschiedene Aufnahmen der letzten beiden Teile des Weihnachtsoratoriums angehört.

Die eingangs erwähnte Aufnahme von Suzuki hebt sich für mich bezüglich Klarheit und Aufnahmequalität schon von vielen anderen ab. Aber die Musik kann mich nicht wirklich mitreißen, es bleibt alles etwas leblos.

Am Ende war mein Fazit, wie in jedem Jahr bisher: Mein Favorit ist und bleibt die Aufnahme, die ich vor langer Zeit als erste erworben hatte (Rilling, Gächinger Kantorei, Bach Collegium Stuttgart, Auger, Hamari, Schreier, Schöne):

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Viele Grüße,
Frank
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Beitragvon Guenni » 15.01.2019, 19:47

und auch wenn die Richter Einspielung nicht mehr wirklich dem Bachbild von Heute entspricht ( wer sagt schon was richtig ist) so liebe ich dorch diesen Fritz Wunderlich zu sehr um an der Aufnahme mit der auch sehr jungen Janowitz und Christa Ludwig vorbei gehen zu können.

hier wer reinhören möchte - Gesamt auf Youtube:
https://www.youtube.com/watch?v=IOz5n2N43SU
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Beitragvon Hans-Martin » 15.01.2019, 23:39

Hallo Günter,

ich hab's befürchtet, bei den ersten 20 Sekunden sah ich schon wieder vor meinem geistigen Auge: "Ein Lied zwo drei vier!" ... und danach die zackig marschierenden Soldaten.

Karl Richter und seine Bach-Einspielungen galten in den 1950-60er Jahren bei vielen als die Referenz in Deutschland. Aber beim Gedanken an die schönste Geburt aller Zeiten schwingt eine Aufforderung Jauchzet! und Frohlocket! in meinem Herzen ganz anders als es Karl Richter vermitteln konnte, der wie viele Erwachsene zu dieser Zeit das Trauma das Krieges noch im Blut hatte. Dank der Radarelektronik-Orientierung meiner Luftwaffe-Wehrdienstzeit spielten Formalausbildung und Waffenhandhabung zwar eine absolut untergeordnete Rolle, machen sie aber nicht unvergessen oder verhinderten gar ihre Wiedererkennbarkeit.

Richter kommt bei mir nicht fröhlich, sondern zwanghaft an, nicht jubilierend, sondern diktierend. "Frohlocken" hört sich für mich anders an.

Dann doch lieber das Live-Erlebnis (in kirchlicher Umgebung), wo andere Reize von der rein musikalischen Performance ablenken. Die Tonbandaufzeichnung eines solchen Konzerts offenbarte die vielen Patzer, die ich Live nicht wahrgenommen hatte, und da ich seitlich vorn die (nichtkommerzielle private) Aufzeichnung bediente, konnte ich sehen, wie der Dirigent des bekannten Knabenchors (Gastspiel) das lokale Orchester mit Gestik und Mimik dorthin bringen wollte, wohin die Musiker zunächst nicht zu spielen vermochten. Das liegt fast 40 Jahre zurück, 20 Jahre nach Richter.

Welches Bild auch immer man von Bach hat, beim Alten Fritz durfte jeder nach seiner Facon selig werden. So nehme ich mir die Freiheit, die Versionen abzuhaken, die mir nicht gefallen, diese haben aber schon dazu geführt, dass ich mich mit den vielen verfügbaren Einspielungen nicht mehr beschäftige, sondern mich nur noch von lokalen Aufführungen in Stimmung bringen lasse, jeweils Stimmungen des Augenblicks, des Ambientes. Und ein neues Jahr hat begonnen ...

Grüße
Hans-Martin
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Beitragvon Guenni » 16.01.2019, 12:47

den Grund für meine Anschaffung sagte ich ja. Fritz Wunderlich habe ich quasi komplett gesammelt.
Selbst solche auch interpretatorisch fraglichen Sachen ( zB Verdi Requiem mit Ihm ).
Wie eine nicht große Stimme so durchdringend selbst letzte Plätze im Konzert erreichte ist genial.
Hör dir mal die Karajan - Beethoven - Missa Solemnis an.

In meinem Archiv sind nur Jacobs und Flämig - allerdings schon sehr lange mit noch altem Cover -
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Beitragvon Boxentroll » 17.01.2019, 17:20

Liebe Bach Freunde,

ich möchte euch die schon etwas ältere Aufnahme (1987) von John Eliot Gardiner mit seinem Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists empfehlen.

Viele Grüße
Christian
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