Nikolaus (Linn Ninka)

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Nikolaus (Linn Ninka)

Beitragvon coquillat » 30.06.2015, 01:21

Hallo in die Runde!

Hier mein audiophiler Werdegang:

Während meiner Schulzeit habe ich mit Freunden eine Band gegründet und neben dem damals üblichem Abhören der Musiktexte ausgiebig Zeit verbracht, Beatles, Rolling Stones, Jethro Tull, Billy Joel u.a. im Wohnzimmer meines älteren Bruders anzuhören. Er studierte Elektrotechnik und baute sich Vorverstärker, Endverstärker selber, bis er eines schönen Tages mit einem Linn LP 12 für Aufsehen sorgte. Er und ich noch viel mehr, waren begeistert, was in den oft gehörten Platten an Rhythmus und Feingefühl steckte, das uns bis dahin verborgen blieb. Die Begeisterung trieb mich weiter ...

Während meiner Studienzeit in Wien waren wir beide wöchentlich Gast bei einem HiFi-Händler, der neben vielem Gerät, große Tannoy-Lautsprecher, die gut neben einem englischen Wohnzimmerkamin passen würden, auch kleine, schlichte Linn-Kan stehen hatte und uns die unglaublichsten Hörerfahrungen ermöglichte. Mit Begeisterung und wenig Budget spielte als erster Verstärker bei mir der Creek 4040 an selbstgebauten Klipschhörnern. Mein Bruder war derweil bereits bei Linn Klout und später bei Naim gelandet (hatte auch für wenige Jahre ein HiFi-Studio am Lande aufgebaut...).

Während meiner Wiener Studienjahre schaffte ich es bis zu Accuphase 204, später T+A Vor-/Endverstärker und Harbeth-Studio Monitoren und AKG K1000 Kopfhörer. Leider jobbte ich neben dem Gesangsstudium im Schallplattengeschäft "DaCaruso" an der Oper, umgeben vom umfangreichsten und gepflegtesten Lager an Opern- und Instrumentaleinspielungen (oft auch sehr rare oder verbotene Importe) im Bereich Klassik, was zur Folge hatte, daß ich nicht nur z.B. alle 76 verschiedenen Traviata-Einspielungen zu Hause probehören und vergleichen konnte, sondern auch, daß ich einen schönen Teil meines Geldes in Platten, später CDs anlegte.

Nach Abschluß meines Studiums verließ ich Österreich, um in Deutschland als Opernsänger mein Glück zu machen. In diesen Jahren schleppte ich meine Schätze zwar quer durch Deutschland mit, um nach mehreren Stationen in München an der Staatsoper meine letzte Heimat gefunden zu haben, habe aber alle Geräte letztendlich verkauft und lange Zeit nur bei meinem Bruder Hifi in hoher Qualität genossen.

In München lebe und arbeite ich nun seit mehr als 15 Jahren. In der Zeit baute ich für meine Familie, meine liebste Gattin und zwei allerliebste Kinder (jetzt Jugendliche) ein Haus und ein musikalisches Wohnzimmer.

Meine Musiksammlung auf gutem Gerät abspielen zu können war trotz aller finanziellen Engpässe immer meine Sehnsucht geblieben. In den letzten Jahren hat sich bei der Gerätschaft einiges erneuert: heute spiele ich meine LP-Sammlung ab auf einem Welltempered-Plattendreher mit Linn Klyde (Geschenk meines Bruderherzes!) und meine CD-Sammlung erst über ein älteres C.E.C. Beltdrive Laufwerk, zuletzt auf einem sehr gut klingenden Creek CD-Evolution 2, den ich aber nun auch weggegeben habe und seit Wochen alle meine CDs auf ein NAS aufspiele und über einen Linn-Majik DS abspiele.

Als langjähriger Zaungast der HiFi-Messe in München hat mich das Konzept vollkommen überzeugt, Musik zu streamen. Der Weg, den Linn und andere Marken eingeschlagen haben, ist für mich der richtige Weg in die Zukunft (ich vermisse ehrlich nicht die Beihefte, die ich sonst höchstens einmal überflogen habe).

Der Linn Majik DS füttert direkt drei ältere Linn 2250 Endstufen, die meine aktiven Linn Ninka antreiben. Das Welltempered-Laufwerk speist einen Linn Kairn, den ich bei Bedarf an die Endstufen anstecke. Mein Lautsprecher-Traum wären zwei aktive Manger Lautsprecher: die einzigen, die ich lange Zeit ohne Ermüdung mit gehobener Lautstärke hören kann. Vielleicht kommt da in den nächsten Jahren noch ein Upgrade auf mich zu, weil Linn die Manger Lautsprecher in das Raumschall-Konzept-Programm eingebunden hat. Berufsbedingt höre ich hauptsächlich Rock, Soul und Funk und instrumentale Klassik. (Sänger höre ich genug jeden Tag ...)

Auf das Forum stieß ich bei Recherchen zu den Themen Linn und Streamen und verschlinge derzeit die Gespräche und Schilderungen zum Thema G-Mods.

Euer Nikolaus ;-)
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Beitragvon h0e » 30.06.2015, 07:07

Willkommen Nikolaus,

schön, dass mal wieder ein Münchner den Weg zu uns gefunden hat.

Ich kann hier Parallelen zu mir entdecken, auch ich habe eine CEC Laufwerk gehabt und bin recht schnell bei einem Linn Streamer gelandet, nachdem das Thema Streaming endlich zu funktionieren scheinte. M.E. ist die CD tot, maximal dient diese als Transportmittel vom Händler auf mein NAS und dann in die Schublade. Ein Silberscheibendreher verwende ich nicht mehr.

Mittlerweile habe ich bereits zwei G-Mod Geräte. Leider keinen G-Majik, sonst könnten wir uns mal zum kleinen Vergleichshören treffen. Ein G-Majik auf das Schlafzimmer fand ich dann doch etwas oversized, daher ist er im Originalzustand. :wink:

Grüße Jürgen
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Beitragvon Rudolf » 03.07.2015, 08:28

Hallo Nikolaus,

herzlich willkommen im Forum! Als Linn-Anhänger wirst du mit Sicherheit hier einiges Interessante finden.

Dass du unser Hobby Musikhören offensichtlich zum Beruf gemacht hast, prädestiniert dich natürlich für die klangliche Beurteilung von Audiokomponenten. Was hierfür der Maßstab ist, darüber streiten sich zwei Lager: Soll es klingen wie im Konzertsaal oder soll die Wiedergabe vielmehr eine möglichst perfekte Illusion vermitteln?

Wie hälst du es damit?

Viele Grüße
Rudolf
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Beitragvon coquillat » 03.07.2015, 09:33

Servus Rudolf,

das ist für mich ganz klar: Hifi klingt nie wie im richtigen Konzertleben.

In der Praxis vermischt sich der Orchesterklang (siehe hervorragend die Theorie und Umsetzung von Richard Wagners Bayreuther Festspielhaus, wo unter der Kuppel der Klang der Instrumente durchmengt wird und deshalb nie die Präsenz, Ortbarkeit und Durchsichtigkeit erreicht, wie auf guten Aufnahmen zu hören ist, was eben Wagner genauso wollte! (siehe alle Kirchen- und Konzertliteratur, die mit dem Hall und Echo der Räume spielen und diese in die Komposition einflechten und und und)

Aber was soll's, es ist doch phantastisch, daß bei einer guten Aufnahme wir Zuhörer bis in den letzten Winkel hinein Feinstrukturen hörbar und fast greifbar entdecken und erleben können. Ich höre in meiner Freizeit gerne Musik, wo künstliche Klänge/Klangstrukturen in die Musik arrangiert wurden, die so klar und körperlich wirken, daß ich "es beinahe mit den Ohren ertasten kann" - da gibt es z.B. auf Madonnas "Music" Girlandenähnliche Sounds, unglaublich körperlich!

Die gesamte Aufnahmetechnik vermittelt ein Klangbild, da müßte man eigentlich 5 cm (oder weniger) entfernt vom Bogenstrich eines Cellisten sitzen! Die Aufnahmetechnik würde 1:1 umgesetzt im Konzertsaal bedeuten, daß jeder Zuhörer gleichzeitig mit dem Ohr direkt am Instrument oder im Rachen des Sängers sitzt und die Feinheiten hört ... das ergäbe ein witziges Bild! Fast übertrieben empfinde ich diese extreme Nähe zum Instrument bei manchen Gitarrenaufnahmen, wo die Schleifgeräusche der Finger beim Lagenwechsel über den Saiten manchmal den Inhalt der Musik so überlagern, daß es mich eigentlich stört.

Ich würde schlußendlich behaupten, daß die moderne, qualitativ hochwertige Aufnahmetechnik quasi das Partiturlesen der Komposition darstellt. Wir dürfen in die tiefsten Strukturen eines großen Orchesters eintauchen und die rhythmischen, melodischen und harmonischen Strukturen, Linien und Themen hautnah intellektuell und sinnlich erleben. Im Konzert tritt das mehr zurück, um dem besonderen Element des Momentes, dem Erleben, Platz zu geben ...

Diese Hifi-Blendung schafft u.a. Eindrücke, die im Grunde im realen Konzert unmöglich sind: da wir auf der Bühne manchmal 5 Meter, manchmal weiter vom Dirigenten entfernt singen, kommt es immer zu minimalen, gut hörbaren Verschiebungen zwischen Chor, Solisten und Orchester. Das gehört dazu, ist aber auf hochwertigen Aufnahmen nie zu hören ... deshalb sollte man als passionierter Musikliebhaber nie einseitig nur Konserven hören oder nur ausschließlich Konzerte besuchen. Die Mischung macht's!

herzlich grüßend, Nikolaus ;-)
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Beitragvon Hans-Martin » 03.07.2015, 12:00

Hallo Nikolaus,

ein verspätetes Willkommen auch von mir!

Ich lese daraus die Empfehlung: Gelassen mit dem Kunstprodukt "Aufnahme" umgehen, die große Diskrepanz zwischen Original und Reproduktion einfach so zu genießen, wie die jeweiligen Stärken und Vorteile kommen. Das ist nicht das, was die Industrie uns versprochen hat, aber versprechen kann man sich ja mal.

Wo ich mal eine Frage loswerden möchte, ist die mögliche Diskrepanz zwischen dem Standort aktiver Musiker und dem Klangeindruck im Auditorium. Wie es mit mehr und noch mehr Abstand klingt, kennt man von verschiedenen Rängen, aber wie klingt es im Chor, hinter dem Orchester? Heller und obertonreicher wegen der Nähe oder doch etwas dunkler, wegen der Abdeckung durch die Musiker, die das Instrument vor sich haben oder gar nach vorn gerichtet abstrahlen?

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon coquillat » 05.07.2015, 09:14

Ja, da gibt es einiges:
wir hören das Orchester sehr schwach, deshalb gibt es auf der Bühne nach hinten Monitore, die uns das Orchester verstärken (kleine K+H Monitore und große z.T. noch Altec-Lansing u.a.), was sehr oft unangenehm laut eingestellt ist ...
Für uns ist das Orchester ohne Monitoring ein Klangbrei, keine Ortung einzelner Instrumente möglich. Es vermischt sich der Klang, Nahgeräusche sind praktisch unhörbar (Klappen-, Streichgeräusche).
Hinzu kommt die Laufzeitverzögerungen mit der wir ständig zu kämpfen haben (berühmt: der Pilgerchor aus Tannhäuser in Bayreuth, wo alle 4/5 Meter in die Bühnentiefe ein Dirigent steht, der zeitverzögert dirigiert- also vorausdirigieren muß).
Solisten klingen neben uns stehend ganz anders als vom Publikum aus (manchmal rießige Stimmen auf der Bühne,
die aber wegen fehlender Obertöne nicht übers Orchester kommen ..., manchmal scheinbar kleine, durchschnittliche Stimmen, die aber im Publikum ihre Pracht entwickeln und den Raum füllen.
Wir staunen selbst immer wieder ob der Unterschiede.
Um auf dem richtigen Ton im Publikum anzukommen, singen wir einen Hauch höher, das trägt besser in die Tiefe.
Der beste Hörplatz ist auch nicht im Parkett, sondern im 1.Rang, hier ist die Stimmenmischung Orchester, Solisten, Chor am besten. Aber von Hifi - wie gesagt - keine Rede!

herzlich grüßend, Nikolaus ;-)
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Beitragvon cantusfirmus » 05.07.2015, 13:59

Hallo Herr Kollege!

Das freut mich natürlich besonders, dass sich jetzt noch ein Opernsänger im Forum tummelt! Und: auch meine Hifi-Laufbahn hat über Linn geführt: Keilidh, zuletzt aktive Ninkas.

Ich bin aber mittlerweile bei Backes und Müller gelandet und habe es keine Sekunde lang bereut. Zuerst hat ein G-Sonos als Zuspieler gedient, jetzt werkelt eine stark getunter Audio-PC als Quelle für Stereo und Mehrkanal.

Dass Du die G-Mods verschlingst kann ich mir vorstellen, die sind sicher ein heisser Tipp!

herzliche Grüße, Horst
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