Joe (Backes & Müller BM 12, Abacus C-Box 2)

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Joe (Backes & Müller BM 12, Abacus C-Box 2)

Beitragvon JOE » 16.08.2008, 00:39

Na ja, meine Geschichte ist im Vergleich zu den meisten von Euch recht kurz und geradezu simpel (vielleicht sogar ein wenig langweilig) – was für mich aber durchaus vorteilhaft war und ist. Dabei muss ich vorausschicken: Obwohl ich grundsätzlich technisch interessiert bin (ohne über fachspezifische Ausbildung/Kenntnisse zu verfügen), ist für mich letztlich immer nur interessant, was rauskommt – in meinem Fall, wie es sich für wieviel finanziellen Aufwand anhört. Der Grenznutzen ist also entscheidend.

Nach einer Braun-Anlage mit ebensolchen Boxen, habe ich mich vor ziemlich genau 30 Jahren bezüglich meiner ersten „ordentlichen“ Anlage „nur mal locker vororientieren“ wollen. Dabei habe ich mich (es war noch ziemlich früh am Tag) im Ladenlokal relativ ziellos umgesehen, weil der einzige Fachverkäufer gerade einem Kunden im Nebenraum einige Boxen vorführte.

Ich merkte nach einiger Zeit auf, weil es plötzlich irgendwie ganz anders tönte. Ich wechselte sofort in den Nachbarraum und stellte fest, dass der Klang aus ziemlich klobigen grau-silbernen schwarz-beschaumstofften Kisten kam. Der Kunde ging bald darauf, ohne zu kaufen. Ich habe noch einmal für einige weitere Minuten die Kisten angehört, dann nur noch nach dem Preis gefragt, geschluckt, mir die Lieferfristen nennen lassen und bin ebenfalls gegangen.

Am nächsten Tag habe ich ein Paar dieser Kisten bestellt und – farblich übrigens zufällig passend – dazu einen Revox Tuner plus Tangentialplattenspieler sowie einen BM 9 Vorverstärker. Damit ist klar: Bei den Boxen handelte es sich um (ganz frühe) BM 6, die bis vor einem Jahr unterbrochen lediglich von zwei Werksaufenthalten (Reparaturen und technische Nachrüstungen) ihren Dienst taten.

So sind mir etliche Umwege (und vielleicht auch Irrwege) erspart geblieben. Freunde haben längst etliche Gerätegenerationen hinter sich, ohne m. E. wirklich zufriedenstellend Musik hören zu können.

Nach drei Jahrzehnten habe ich schließlich – fast ähnlich simpel – die Rundumerneuerung betrieben: BM 12 mit PPG (größere Modelle hätte meine Frau nicht mitgemacht; dafür musste ich nicht diskutieren, dass die Boxen gleich ohne Verkleidung und auch ohne die entsprechenden Buchsen geliefert werden) Probe behört, festgestellt, dass auch renommierte Passivboxen bei anspruchsvoller Musik oft schon nach Sekunden ausscheiden (meine Frau war da noch schneller und „gnadenloser“ in ihrem Urteil als ich); dazu Vorverstärker und CD-Player aus der 3er Reihe von AVM, schließlich noch das Clearaudio-Performance-Komplett-System (wunderbar voller und runder Klang für das Geld!). Das war es dann auch schon wieder für die nächsten vielen Jahre.

Geplant ist irgendwann nur noch eine Erweiterung in Richtung netzbasierter Wiedergabe.

So sitzen wir denn zufrieden und genießen die Abende ...
(... und danken für diese und jene Musikempfehlung aus diesem Forum)

Joe
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Beitragvon realperfekt » 16.08.2008, 09:07

Hallo Joe,
was mal wieder so typisch ist, hat ein Musikfreund den „aktiven Meridian“ einmal überquert, gibt’s kein Zurück mehr. Und die stete Bereicherung ist eben auch mit Geld nicht aufzuwiegen. Du hast ja einen konsequenten und effizienten Weg – mit nur 2 Stationen – beschritten und bist bei einem sehr guten Allrounder (BM12) gelandet. Ich hatte vor einem Jahr auch mal ein Pärchen zu Testzwecken im Hause und war erstaunt, wie locker die 12 mit 35m2 umging. Besonders das Bass-Fundament war beeindruckend.
Auch Glückwunsch zum Urteilsvermögen Deiner Frau, die hat die Wahl wohl entscheidend (mit)verkürzt!
Sehr erfreulich, dass Du auch die Vinyl-Quelle ernst nimmst. Hier ist ein Fundus vorhanden, den viele nicht missen möchten.
Vielleicht möchtest Du die Vorstellung noch mit ein paar Bildchen garnieren, ich denke uns würde es freuen.
Ich wünsche Euch weiterhin viel Spaß + viel Platz für die schwarzen Scheiben
Peter
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Beitragvon Rudolf » 16.08.2008, 13:16

Hallo Joe,

das nenne ich ein stringentes Vorgehen! Ich habe auch niemals lange überlegen müssen, ob Aktivlautspecher die bessere Alternative darstellen: Neben den klanglichen Vorzügen begeisterte mich vor allem die Perspektive, mich niemals mit Voll- und Endverstärkern sowie Lautsprecherkabeln auseinandersetzen zu müssen, so dass ich den Mehrpreis gegenüber passiven Lösungen gerne hinblätterte.

JOE hat geschrieben:...dafür musste ich nicht diskutieren, dass die Boxen gleich ohne Verkleidung und auch ohne die entsprechenden Buchsen geliefert werden

Da hast du weitaus klüger gehandelt als ich. Mit Bespannung ist der volle Genuss einfach nicht möglich. Ich habe mir aber schon eine Zwischenlösung überlegt, die ich demnächst vorstellen werde.

Viel Spaß bei uns!

Rudolf
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Ergänzung meines Berichtes

Beitragvon JOE » 17.08.2008, 02:02

Im Rahmen meiner Vorstellung „Wie ich zu aktiven Lautsprechern kam“, habe ich noch einmal die letzten Jahrzehnte meiner „Hör-Vita“ Revue passieren lassen. Dabei spielte ein weiterer Aspekt eine nicht unwesentliche Rolle, der aber nur im weiteren Sinne zu dem obigen Thema gehört: Das Hören mit Kopfhörern; besser gesagt, mit einem speziellen Kopfhörsystem.

Ich habe auf etlichen Eurer Vorstellungsbilder Kopfhörer und Kopfhörerverstärker gesehen, wobei auffiel, dass diese in der Regel nicht erwähnt wurden – obwohl ja durchaus prominente Vertreter zu sehen oder zumindest zu erahnen waren. Diese Feststellung führte bei mir dazu, ebenfalls kein Wort darüber zu verlieren. Da dieses Thema für mich aber (trotz der Jahrzehnte langen Aktivboxenerfahrung!) durchgehend praktische Bedeutung behalten hat, will ich hier meinen Beitrag dann doch entsprechend ergänzen.

Bis vor einigen Jahren habe ich in einer Altbau-Mietwohnung gelebt, die mit Rücksicht auf die anderen Hausbewohner beim (sehr) späten Musikgenuss ausreichende Lautstärkerpegel obsolet erscheinen ließ. Also versuchte ich, mit hochwertigen Kopfhörern dieses Problem zu lösen; musste allerdings feststellen, dass bei allem facettenreichen und durchaus auch basskräftigen Klang (die meisten von Euch kennen ja die einschlägigen Produkte) die Raumabbildung stark zu wünschen übrig ließ.

Als zu Beginn der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts der zu dem AKG K 1000 (der nach Herstellerbeschreibung einem „am Kopf getragenen Lautsprechersystem entspricht“) passende Kopfhörerprozessor Audiosphere® BAP 1000 herauskam, änderte sich das weitgehend. Perfekt war diese Lösung erst nach einer individuellen Anpassung bei der Deutschen AKG-Niederlassung in München. Tüpfelchen auf dem „i“ war dann schließlich der spezielle SAC K 1000 Amplifier.

Dazu erfolgte eine Vermessung meiner physiologischen „Hörarchitektur“. Die wirklichen Klangeindrücke tief in meinen Gehörgängen wurden doppelt erhoben: einmal der unmittelbare Klangeindruck von Klangereignissen und dann der Vergleich unter Verwendung meines K 1000. Das Resultat manifestierte sich in einer persönlichen ROM-Card, die in einen Slot des Audiosphere® BAP 1000 gesteckt wird und so diese spezifischen Daten (dazu gehörend z.B. die Laufzeitunterschiede durch meine Kopfform und die Reflektionsverhältnisse der Ohrmuscheln) in die Gesamtberechnung einbezieht.

Der Audiosphere® BAP 1000 hat dabei eine geradezu dramatische Taste, die – wie schon Ralf Koschnicke berechtigt kritisiert hat – bei digitalem Equipment sonst fehlt: „Bypass“ (bei Aufnahmegeräten „Monitor“). Dass sie hier nicht fehlt, hat auch damit zu tun, dass einem bei Überbrückung des Audiosphere® BAP 1000 sofort durch den Kopf schiesst: „Der Kopfhörer ist defekt!“ Dieser Eindruck gilt übrigens für alle Kopfhörer (der K 1000 ist wegen seiner speziellen Bauform nur besonders qualifiziert), egal, welches Fabrikat und welche Preisklasse man anschliesst! Man hat nicht nur den Eindruck, dass die Räumlichkeit abrupt völlig zusammenbricht, sondern auch, dass sich die Klangfarben verfälschen.

Ihr solltet nicht denken, dass ich übertreibe. Der reale Höreindruck ist noch viel stärker als es Worte beschreiben können! Man kann sich wirklich nicht vorstellen, dass man auch nur noch eine weitere Minute bereit sein könnte, den/einen Kopfhörer wieder aufzusetzen, ohne dass der Prozessor eingeschleift ist. Der Effekt tritt übrigens auch ein, wenn man die im Prozessor standardmässig einprogrammierten Hörprofile benutzt; er ist dann lediglich leicht eingeschränkt. (Ihr müsst Euch mit meiner Schilderung begnügen, weil der Prozessor längst nicht mehr auf dem Markt ist. Die Kosten waren mit Gesamtausgaben für Prozessor, ROM-Card, Kopfhörer, Kopfhörerverstärker und Anreise zur Einmessung von bis zu fast 8.000 DM einfach zu hoch, als dass sich nennenswerte Produktionszahlen hätten erzielen lassen.)

Interessant ist aber, dass man sich an das Falschhören so gewöhnen kann, dass man schon mit geringer zeitlicher Distanz (selbst wenn man den Effekt des Audiosphere® BAP 1000 kennt) auch „anders“ mit Kopfhörern hören kann. Das erklärt auch, dass die meisten Hörer sich mit mehr oder weniger minderwertigen Höreindrücken begnügen und es ihnen nicht bewußt wird, wie sehr dieser Eindruck von einem Live-Eindruck abweicht.

Ich habe im Zusammenhang mit meiner Einmessung übrigens eine weitere „Tuningmaßnahme“ kennengelernt, die für mich völlig überraschend war: Wegen der ja tief im Gehörgang stattfindenden Messung habe ich vorher beim Ohrenarzt die Ohren ausspülen lassen; denn man soll ja mit den einschlägigen Wattestäbchen nie zu tief eindringen. Ich habe danach festgestellt, dass man mit professionell „grundgereinigten“Gehörgängen in der Tat erheblich besser hört. Es ist ein Effekt, als wenn ein Vorhang weggezogen wird, der sonst den Klangeindruck leicht verschleiert. Wäre das Bild nicht so schief, könnte man sagen, man reibt sich danach verwundert die Augen.

Ich wäre gespannt, von Euch zu hören, welchen Stellenwert Eure zumeist ja hochwertigen „Ohrwärmer“ für Euch haben. Vielleicht teilen ja einige von uns dieses Interesse, denn wegen der Unmittelbarkeit des Höreindrucks (der ja trotz der von mir beschriebenen Fehler nicht zu leugnen ist) liegt dieses Thema eigentlich dicht bei dem Leitthema dieses Forums – auch wenn ich vielleicht der einzige in unserem Kreis bin, der „aktive“ Kopfhörer betreibt, bei denen „das Signal direkt in der zeitlichen Struktur so korrigiert (wird), dass das Gesamtsystem Lautsprecher [hier: Kopfhörer] möglichst ideal wird (also das Zeitsignal ohne Verformungen wiedergibt).“ (Johannes Siegler)

Gruß
Joe

Abschließend noch einige Links für die, die gern einen näheren Eindruck bekommen würden, von was für exotischen Gerätschaften „aus grauer Vorzeit“ ich denn gesprochen habe.

AKG Acousics K 1000 - Die binaurale Perfektion

Das Ende des Falschhörens - Audiosphere BAP 1000

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Kopfhörerverstärker zum AKG K 1000
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Beitragvon wgh52 » 17.08.2008, 10:11

Hallo Joe,

das ist ja sehr beeindruckend und überraschend! Wenn's sowas heute gäbe, würde ich es glatt in Erwägung ziehen! Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass es den "Audiosphere" überhaupt gab (hätte ich mir damals aber auch nicht leisten "können/dürfen").

Jetzt hab ich mal "gegoogelt" und das gefunden: AKG HEARO 999 Audiosphere II. Macht das sowas wie Dein 90er Jahre System?

In diesem Zusammenhang fällt mir die kopfbezogene Stereophonie (auch "Kunstkopfstereophonie" genannt) aus den 70er Jahren ein, die ja bei der Aufnahme das Räumlichkeitsempfinden mit Mikrofonen in den Ohren eines künstlichen Kopfes "einfing". Hast Du Dich damit auch befassen können? KuKo Software ist ja sehr rar geblieben, obwohl das Prinzip bestechend war, aber leider überhaupt nicht "Freifeld-kompatibel" (mit Lautsprechern gabs keine gute Räumlichkeit).

Gruss,
Winfried
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Beitragvon JOE » 17.08.2008, 12:22

wgh52 hat geschrieben:Jetzt hab ich mal "gegoogelt" und das gefunden: AKG HEARO 999 Audiosphere II. Macht das sowas wie Dein 90er Jahre System?
In diesem Zusammenhang fällt mir die kopfbezogene Stereophonie (...) ein, die ja bei der Aufnahme das Räumlichkeitsempfinden mit Mikrofonen in den Ohren eines künstlichen Kopfes "einfing". Hast Du Dich damit auch befassen können?

Den HEARO 999 kenne ich auch nur aus solchen Produktbeschreibungen und weiss, dass er gut getestet worden ist. Da ich aber längst "passend versorgt" war und obendrein in Alltagsfragen sehr pragmatisch bin, habe ich das nicht weiter verfolgt und verfüge insbesondere auch über keine eigenen Hörerfahrungen.

Bezeichnend ist, dass der 999er, der bezüglich der Klangqualität näherungsweise die Leistungen meines "Kopfhörersets" ohne die individuelle Anpassungsspezifik gebracht haben könnte, ebenfalls längst vom Markt verschwunden ist. Ich meine einen Preis von rund 1.000 € zu erinnern. Ich habe ihn als eine komfortorientierte und gleichzeitig - aber offensichtlich nicht ausreichend! - preislich kundenfreundlichere Weiterentwicklung des ursprünglichen IVA-Ansatzes von AKG verstanden. (Es gibt aktuell ja mehrere Produzenten, die für Surroundzwecke ähnliche Nachfolgesysteme anbieten. Ich kann mir nicht denken, dass sie wirklich unseren Qualitätsmaßstäben standhalten können.)

Was die Kunstkopfstereofonie betrittt, so habe ich vereinzelte Produktionen angeschafft, aber eigentlich (wegen der ansonsten von Dir richtig beschriebenen eingeschränkten Nutzbarkeit) eher aus Neugier, was mein System in Verbindung mit diesem speziellen Aufnahmeverfahren leistet. Es war eine leichte Steigerung des Raumempfindens zu verzeichnen. One-Point-Recording-Aufzeichnungen finde ich allerdings überlegen. Vielleicht liegt das daran, dass meine "Birne" (meine Frau spricht manchmal von meinem "Dickkopf", wobei ich mal nicht tiefer darüber nachsinnen will, welche Konnotationen da mitschwingen könnten ...) zu sehr von Standard-Kunstkopf abweicht. Ich denke da an meine ziemlich weit hinten liegenden extrem anliegenden Ohren.

Aber auch die OPR-Aufnahmetechnik hat ihre Stärken und Schwächen. Letztlich finde ich Aufnahmen mit einem gut reflektierten Einsatz von mehreren Mikrofonen mit differenzierten Aufgabenstellungen und abschließend sorgfältiger Abmischung überlegen.

Das liegt m. E. daran, dass jede Wiedergabe zwangsläufig (im neutral beschreibenden Sinne) artifiziell bleiben muss und über die verschiedenen Stufen der Aufnahmetechnik diesem Faktum differenzierter (gezielt kompensierend) Rechnung getragen werden kann.

Entscheidend wird immer bleiben, was als "Letztqualität" unsere biologisch dafür vorgesehen Sensoren erreicht!

Gruß
Joe
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Beitragvon wgh52 » 17.08.2008, 14:07

Yepp! Zustimmung!

Ich bin eigentlich kein Kopfhörer-Hörer, sondern eingefleischter Lautsprecher-Hörer. Und zwar WEIL mit Kopfhörer das Klanggeschehen normalerweise IM Kopf lokalisiert wird. Die von Dir beschriebene Technik plaziert das Klanggeschehen offensichtlich nach "ausserhalb des Kopfes".

Das würde ich gerne mal erleben - könnte sein, dass ich dann versuche so einen 999er zu ergattern, denn dann könnte ich "meine" Musik so viel und so laut hören, wie meine Frau sonst nur "die ihre" verträgt... :P :mrgreen:

Gruss,
Winfried
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Beitragvon Aktivboxer » 17.08.2008, 14:10

Hallo Joe,

du beschreibst da eine interessante "Erweiterung" des K1000. Mir war der BAP1000 bis jetzt völlig unbekannt. Den K1000 habe ich vor fast 10 Jahren für einen Bekannten beschafft. Der an sich sehr gute Hörer brachte mir, trotz der lautsprecherähnlichen Aufhängung der Systeme, keine überzeugende Darstellung hinsichtlich Räumlichkeit. Ich habe später noch zwei "Selbstversuche" mit Hörern von Stax gemacht (4040 Set & Omega 007II Set mit Röhrenverstärker). Letzteren habe ich dann im Frühjahr wieder verkauft und festgestellt, dass ich kein Kopfhörertyp bin und sich das wohl auch nicht mehr ändern dürfte :cry:

Auch die Ausflüge zur Kunstkopf-Stereofonie brachten bei mir nicht die allseits beschriebene Verbesserung.

Den von Winfried zitierten 999-Prozessor hat sich mein Bekannter auch zugelegt - allerdings nur um in seiner "Stereoumgebung" ohne 5.1-Technik zu einer äquivalenten Wiedergabe von Kinogeräuschen zu kommen. Das Ergebnis ist, zumindest aus meiner Sicht, eher fragwürdig.

Fazit: An einer Lautsprecherwiedergabe (und diese natürlich aktiv :P ) führt eben kein Weg vorbei.

Grüße

Lutz
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Beitragvon JOE » 17.08.2008, 14:48

Aktivboxer hat geschrieben:Fazit: An einer Lautsprecherwiedergabe (und diese natürlich aktiv :P ) führt eben kein Weg vorbei.

Da kann ich Dir nur zustimmen; auch bei Deinen weiteren Argumenten und Erfahrungen. Das reale Leben kennt allerdings vielfältige Hindernisse und da kann es eben durchaus sein, dass ein guter Kompromiss die Lösung zumindest für die Lebensituationen darstellt, in denen man die optimale(re) Variante einfach nicht praktizieren kann.

Schon allein die Tatsache, dass wir über unsere - wie auch immer ausgefeilten und kostbaren - Anlagen konservierte Musik hören, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch dies einen solchen Kompromiss mit Abstrichen darstellt, einfach weil es unmöglich ist, so häufig nur Live-Musik hören zu können. Dieser Sachverhalt erscheint uns so selbstverständlich, dass wir uns darüber normalerweise keine Gedanken machen. Ich kenne sogar etliche Anlagenfreaks, die ihre elaborierte künstliche Hörwelt so sehr in den Vordergrund rücken, dass sie z. B. nicht mehr auf die Idee kommen, eine Philharmonie o. ä. selbst zu betreten ...

Gruß
Joe
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Beitragvon JOE » 17.08.2008, 15:49

realperfekt hat geschrieben:Vielleicht möchtest Du die Vorstellung noch mit ein paar Bildchen garnieren ...

Ich muss Dich enttäuschen, Peter: Mit ein paar Anlagenbildern kann ich leider nicht dienen. Zwar verfüge ich über ein sehr umfangreiches analoges Fotoequipment einschließlich dazugehöriger Labortechnik, verweigere mich allerdings aus vielfältigen Gründen der Digitalfotografie. Ich bitte also um Verständnis!

Als kleiner Ersatz ein paar formale Daten: Raum = 4,8 x 8 x 2,65 m; Abstand der Boxen von der (kleineren) Rückwand = knapp 0,7 m; Boxenabstand = 3,1 m; Hörplatzabstand = 3,3 m; Einwinkelung = ~15°; dämpfende Pucks aus Sandstein-Kunststoff-Komposit; PS durch Wandmontage entkoppelt. Hörplatz: schwerer Leder-Zweisitzer, davor ein Stahl-Glas-Tisch; an beiden Seitenwänden über gut 2/3 der Länge im hinteren Teil hohe Bücherregale, dort steht nur ein schwerer Holz-Esstisch mit Stahlrohrmöbeln, Fußboden aus Granitfliesen auf schwimmendem Estrich; hintere Raumabgrenzung zu mehr als 3/4 Fensterfläche mit schalldämmendem Vierschicht-Verbundisolierglas, vollflächige Innenjalousetten. In dem Teil des Raumes, in dem "die Musik spielt" steht seitlich einmal ein schwerer Sekretär, zum anderen ein litfasssäulenförmiger fast raumhoher Schrank, in dem sich die CDs befinden.

Trotz der vielen harten Flächen an Boden und Decke sowie der relativ großen Länge des Raumes habe ich kaum mit stehenden Wellen im Bassbereich zu kämpfen. Ich kann das gut checken, indem ich sowohl die Jalousetten runterlasse, als auch die großen Türen öffne und so die hintere Reflektionsfläche um mehr als 50% verringere: Es ist kaum ein Unterschied zu hören. Lediglich wegen manchmal zu effekthascherisch basslastig abgemischter Musik senke ich in einer Alternativeinstellung des PPG den unteren Bassbereich um insgesamt bis zu 3 dB ab (meine Normaleinstellung: -1 dB).

Interessant - aber bei meiner BM 6-Primärerfahrung nicht besonders verwunderlich -, dass ich mit nur mäßigem Klagverlust auch noch auf der anschließenden großen Dachterrasse (sogar leicht um die Ecke!) Musik hören kann. Da klingen etliche Anlagen von Freunden und Bekannten im Raum schlechter.

Gruß
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Beitragvon Rossi » 17.08.2008, 22:25

JOE hat geschrieben:
realperfekt hat geschrieben:Vielleicht möchtest Du die Vorstellung noch mit ein paar Bildchen garnieren ...

Ich muss Dich enttäuschen, Peter: Mit ein paar Anlagenbildern kann ich leider nicht dienen. Zwar verfüge ich über ein sehr umfangreiches analoges Fotoequipment einschließlich dazugehöriger Labortechnik, verweigere mich allerdings aus vielfältigen Gründen der Digitalfotografie.

Nicht mal ein Foto-Handy? :wink:
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Beitragvon JOE » 17.08.2008, 22:59

... Nein! - Und zwar nicht nur kein Fotohandy, sondern gar keins.

Gruß
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Prioritätenänderung

Beitragvon JOE » 27.03.2009, 05:44

Meine Vorstellung hatte ich eingangs abgeschlossen mit:

Geplant ist irgendwann nur noch eine Erweiterung in Richtung netzbasierter Wiedergabe.

Das muss ich nach den neueren Diskussionen hier im Forum ändern; denn jetzt hat klare Priorität die Entscheidung, ob es bei mir sinnvoll ist, ein Korrektursystem zu integrieren. Dabei ist für mich für den Fall, dass diese Frage mit "Ja" zu beantworten ist, durchaus nicht klar, welches System da in erster Linie in Frage kommt.

Natürlich wird zunächst über den angekündigten B&M-Phasenentzerrer nachzudenken sein, aber vor allem wegen der anstehenden Kosten*, werde ich auch andere Systeme (ich denke da insbesondere an den neuen Trinnov Optimizer ST, über den ja aber noch wenig bekannt ist) einbeziehen.

Nach dieser Prioritätenverschiebung gilt für mich weiterhin, dass ich in aller Ruhe die Sachen auf mich zukommen lasse. (Noch geht es mir ja nicht wie Franz; denn ich kann mich ja in [trügerischer?] Sicherheit wiegen, solange keine neue Hörerfahrung hinzugekommen ist, wie es bei ihm schließlich der Fall war ...)

Gruß
Joe


* Hier bin ich insbesondere darüber verärgert, dass auch LS, die noch nicht mal ein Jahr alt sind, diese obskure "Zertifizierung" brauchen (sollen), wo doch nicht erst gestern mit der Entwicklung des Phasenentzerrers begonnen worden ist.
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Beitragvon realperfekt » 27.03.2009, 07:36

JOE hat geschrieben:
Geplant ist irgendwann nur noch eine Erweiterung in Richtung netzbasierter Wiedergabe.

Das muss ich nach den neueren Diskussionen hier im Forum ändern; denn jetzt hat klare Priorität die Entscheidung, ob es bei mir sinnvoll ist, ein Korrektursystem zu integrieren. Dabei ist für mich für den Fall, dass diese Frage mit "Ja" zu beantworten ist, durchaus nicht klar, welches System da in erster Linie in Frage kommt.

... das habe ich auch, an anderer Stelle, zwischen Deinen Zeilen so interpretiert. Die Wahl des Werkzeugs ist das eine, die Wirkungsweise sehe ich als iterativen Prozess, der in stets wachsender Weise von der Signalquelle bis zur Wandoberfläche alles einschließen kann.

Ich habe mich anfangs mit den Dingen "auseinandergesetzt" um mich dann schön langsam damit "zusammensetzten" zu können. Eine Menge Verständnis für Ursache und Wirkung entsteht - und einges an "selbstgedrechselten Halbweisheiten" bleibt auf der Strecke.

Ich bin gespannt wie es Dir auf diesem Weg ergehen wird.

Peter
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Beitragvon JOE » 02.10.2009, 00:15

Nachdem sich meine Prioritäten ja (s. o.) verschoben haben, verfolge ich die Korrektursystem-Diskussion aufmerksam, sehe aber nach wie vor keinen schnellen Handlungsbedarf. Allerdings hat mich zweierlei doch sehr nachdenklich gemacht: (a) die starke zeitliche Verzögerung dieser Diskussion, besser gesagt: der zugrunde liegenden Innovation für den LS-Bereich, wo doch z. B. AKG bereits Mitte der 1980er Jahre FIR-Technologie eingesetzt hat; (b) die weiterhin sehr spärliche Verbreitung von Korrektursystemem im KH-Bereich, wo deren Einsatz da noch deutlichere Gewinne als im LS-Bereich bringt.

Kam die frühe Entwicklung etwa zu früh, und konnte - schon allein wegen der hohen Preise - so erst einmal "in Vergessenheit" geraten, weil man im Massenmarkt mit dürftigeren Innovationen mehr Geld machen konnte.

Ich will mit folgendem Zitat (angesichts der aktuellen Korrektursystemaktivitäten) noch einmal die frühen Innovatoren würdigen - allerdings nicht ohne kritisch anzumerken, dass es m. E. versäumt wurde, dort diese Entwicklungen konsequent weiter zu führen. (Ich sehe da durchaus Verbindungen zu Aspekten, die hier im Zusammenhang mit dem SABA-Film erwähnt wurden.)

Durand R. Begault, Ames Research Center, Moffett Field, California, 1994 hat geschrieben:
AKG Corporation’s Binaural Consoles


An earlier implementation of a binaural mixing consoles was found on the CAP 340M Creative
Audio Processor™, developed by AKG Corporation (Akustische und Kino-Geräte GmbH, Vienna) in
1987 as a prototype “blank slate virtual recording console.” Its computing power of 340 megaflops
was in line with the fastest supercomputers of the time. Approximately the size of a small
refrigerator
, the CAP 340M consists of several rack-mount units and a computer user interface that
includes a “virtual mixing console," with overhead and side perspective pictures of a head replacing
the normal panpots for specifying a position for each input source 3-D space. Several HRTF sets and
custom-designed filters could be used with the system, and room simulation was also available.
Provision was made for using several types of microphones (for instance, close up spot microphones
and a more distant dummy head mic, in front of an orchestra) and then sorting out their directivity
patterns and time delays to allow mix-down compatibility and simulation of acoustic perspective.

The technology contained in the CAP 340M processor was later taken into AKG’s Audiosphere
BAP™ 1000 device
, introduced in Europe in the early 1990s[*] (Persterer, 1991). This is a more
limited, yet tailor-made application of virtual acoustics to a specific problem. The ideal monitoring
system for any professional audio broadcasting or recording system would include loudspeakers and
an environment that directly matches that of the listener. This, of course, is difficult to predict for the
small percentage of persons listening over headphones and impossible for loudspeaker listeners.
Frequently, two or three generalized speaker systems are used by recording engineers to monitor the
difference between, for example, a “generic high-fidelity system” and a “generic low-fidelity”
system (e.g., automobile or portable stereo speakers). Often, an engineer must switch between studio
control rooms in the middle of a mixing project; and in live broadcasting from mobile units (a more
common practice in Europe than in North America), the engineer often has no choice but to use
headphones.

The BAP 1000 is a virtual acoustic monitoring system, in that 3-D sound techniques are not imposed
for any other purpose but to allow simulation of a pair of stereo loudspeakers in an ideal recording
studio.
The device filters the output from a mixing console using transfer functions that represents
the HRTF impulse responses of loudspeakers in an ideal control room, at left and right 30 degrees
azimuth. The control room early reflections are also HRTF filtered. One can then listen over a set of
system-equalized AKG K-1000 headphones connected to the BAP 1000 and have an externalized,
loudspeaker experience.
Users can switch between nine different HRTF sets, which the manufacturer
claims represent 90 to 95 percent of the population. In the future, recording engineers or home
listeners could have their own HRTFs measured in their favorite control rooms and then have the data
stored on a customized ROM card. This data base potentially would allow switching between virtual
control rooms representing the best studio environments while conducting work in a much less
expensive facility. [zit. n.: NASA-Publikation, 2000; S. 179 f. - Hervorhebungen von mir]

[* 1992, also nur 5 Jahre später - und damit vor immerhin 17 Jahren ...!]

So weit ich weiss, wurde der Audiosphere BAP 1000 in Übersee überhaupt nicht vertrieben.

Meine Hörgewohnheiten geprägt haben beide, geregelte LS wie geregelte KH, gleichermaßen: Ohne kann ich mir Musikhören überhaupt nicht mehr vorstellen. Somit bin ich gespannt, wie es mir dann irgendwann mit einem zusätzlichen Korrektursystem für LS gehen wird.

Gruß
Joe
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