Martin (macht alles selbst)

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Martin (macht alles selbst)

Beitragvon Martin » 26.10.2013, 06:03

Hallo zusammen,

ich heiße Martin, wohne ziemlich weit im Norden, da wo der Kohl wächst, und habe schon über 50 Jahre auf dem Buckel, d.h. ab 15 kHz ist bei mir leider schon Schluss.

Dennoch höre ich sehr gerne Musik und zwar weit gestreut, ob nun Klassik, Jazz oder Pop/Rock, so ziemlich alles. Das Interesse an HiFi bestand schon seit der Kindheit. Mein Vater arbeitete bei Dual uns so hatten wir immer recht aktuelle Plattenspieler, Kassettengeräte usw. im Haus, natürlich alles im Consumer Bereich, aber ich habe damit gerne Musik gehört.

Später, nach dem Studium der Elektrotechnik, hatte ich zunächst kleine KEF C20 Boxen, die dann durch meine ersten DIY Lautsprecher mit Dynaudio Chassis abgelöst wurden. Danach wurden die Boxen mit aktiven Frequenzweichen und Endstufen versehen. Außer einer Linkwitzentzerrung für die Tieftöner war nichts weiter Besonderes daran. Damit hörte ich nun längere Zeit. Die erste Frau kam ... und ging dann nach ein paar Jahren wieder, so dass ich wieder Zeit für die wichtigen Dinge im Leben hatte.

Die selbst gebauten Lautsprecher gab es immer noch, aber mit dem Klang im Wohnzimmer meines Hauses war ich einfach nicht mehr zufrieden. Damals wusste ich nicht, woran es hauptsächlich lag. Es folgten nun diverse Selbstbauprojekte vor allem im Lautsprecherbereich. So experimentierte ich mit Manger Schallwandlern und auch sehr viel mit Elektrostaten. Das einfache Funktionsprinzip der Elektrostaten faszinierte mich und so baute ich unzählige Varianten davon. In dieser Phase lernte ich meine jetzige und beste Frau der Welt kennen, die selbst die abenteuerlichsten und vom WAF her unterirdischsten Konstrukte im Wohnzimmer klaglos über sich ergehen ließ. Nachwuchs meldete sich an und erste Bedenken wurden geäußert, wegen der nicht ganz Kind gerechten Hochspannung an den Elektrostaten. Auch mir war nicht wohl bei dem Gedanken, dass die liebe Tochter, dem vom Vater geerbten Experimentierdrang folgend, mit einer Stricknadel die hauchdünne Folie meiner Elektrostaten perforiert.

Also folgten jetzt wieder kleinere handlichere konventionelle Lautsprecher, die ich zunächst in meiner kleinen Bastelkammer aufbaute und anhörte und erst dann in das Wohnzimmer stellte. Dabei stellte sich heraus, dass der Klang im Wohnzimmer immer wesentlich schlechter war. Bisher hatte ich die Raumakustik stark vernachlässigt und als gegeben hingenommen. Später zeigten dann Frequenzmessungen im Wohnzimmer eine starke Überhöhung im Bereich von 400-800 Hz und eine ausgeprägte Grundtonsenke. Insgesamt klingt das schon sehr lästig. Der Raum hat die Maße 6,4 m x 4 m x 3 m. Die Wände waren ringsum mit Panelbrettern versehen. Es folgten die ersten Maßnahmen mit Basotect-Platten und dann elektronische Raumkorrektur mit DRC und Brutefir. Das brachte schon deutliche Besserung aber 100% zufrieden war ich immer noch nicht.

Als dann der alte Estrich im Wohnzimmer Risse bekam, war endlich der Zeitpunkt gekommen, um einiges im Wohnzimmer grundsätzlich zu ändern. Eine Rundum-Renovierung des Wohnzimmers stand an. Meine Frau wünschte sich eine Fußbodenheizung, ich mir einen Holzofen und natürlich sollte die Akustik auch nicht zu kurz kommen.

In diesem Jahr wurde mit den Umbaumaßnahmen begonnen, davon viel in Eigenarbeit. Das Haus ist etwa 100 Jahre alt und nicht unterkellert. Der alte Estrich kam raus, die Wände wurden zur Sicherheit mit einer Feuchtigkeitssperre versehen und für den neuen Estrich kam neue Dämmung rein. Außerdem rammte ich ein 1,5 m langes 15 mm Kupferrohr in das Erdreich, damit ich später bei Bedarf meine Anlage schön erden kann. Die Fußbodenheizung wurde von uns verlegt und dann kam der Fließestrich vom Fachmann rein. Da die Altbauwände schief und krumm und sehr rissig sind, wurden zwei Wände zusätzlich mit einer Porenbetonmauer versehen. Damit ist auch der Schornsteinfeger zufrieden, da wir keine brennbaren Materialien im Bereich des Holzofens und des Abgasrohrs haben. Die anderen Wände wurden in Leichtbauweise mit einem Verbund aus OSB/Rigipsplatten versehen. Da diese Wände als Plattensbsorber wirken, wurde ein Teil der Wand nur mit Rigips verkleidet, um etwas Streuung bei den Absorberfrequenzen zu erzielen.

Die Decke wurde mit 18 cm Dämmwolle + Dampfbremse versehen. Die Folie sorgt dafür, dass die hohen Frequenzen nicht zu sehr gedämpft werden. Außerdem wurden aus Platzgründen die Lautsprecher ebenfalls in die Decke integriert. Es handelt sich um, man möge mir verzeihen, passive 4-Wege Lautsprecher mit je 6 Chassis und je 600 Liter Volumen. Bis auf die Hochtöner ist von den Lautsprechern nichts zu sehen, da sie von einer textilen Spanndecke abgedeckt werden.

Was die Möblierung angeht konnte ich meine Allerliebste zu drei offenen Regalen überreden, allerdings unter der Prämisse, dass ich dort selbst Staub wischen muss. Nun, es gibt Schlimmeres, man kann ja dabei Musik hören... Die Regale sollen, wenn sie denn mal aufgefüllt sind, als Diffusoren dienen.

Es fehlen jetzt noch zwei Türen und die Vorhänge, danach geht es an die Feinoptimierung. Da mir die Fummelei mit DRC auf Dauer zu umständlich ist, habe ich mir vor kurzem Acourate gegönnt. Ich freue mich schon sehr darauf, mit den Messungen beginnen zu können.

Mein Audio-Setup sieht zur Zeit noch wie folgt aus:

Intel ATOM PC mit Voyage-MPD + Netzwerkplatte mit FlAC-Dateien

Galvanisch getrennter asynchroner USB-DAC bestehend aus:
http://www.twistedpearaudio.com/digital/cod.aspx
http://www.diyaudio.com/forums/digital- ... 96khz.html
http://www.ebay.de/itm/ST-20600-OB-Audi ... 4cef831efb

Verstärker 2 x 300 W, Eigenentwicklung, Class A/B mit getrennt gegengekoppelten Stufen für Spannungs- und Stromverstärkung.

Bedient wird das Ganze von einem Android Tablet mit Mpdroid.

Den Atom PC möchte ich demnächst durch einen kleineren PC ersetzen, ich dachte da zunächst an ein Alix-Board oder den Beaglebone Black. Den Convolver würde ich gerne auslagern, da wollte ich eigentlich mal die von Unicos vorgestellte Folve Lösung versuchen. Aber nun bin ich hier im Forum auf die interessante Lösung von frankl mit seinem Aria G25 Board gestoßen und das ist auch mit ein Grund, warum ich mich jetzt schon hier im Forum vorstelle. Eigentlich wollte ich warten bis zum Abschluss meiner Renovier- und Umbaumaßnahmen damit ich etwas Fertiges in Form von Bildern und Messungen präsentieren kann. Als passiver Leser verfolge ich dieses Forum schon lange und bin sehr angetan von dem hier gebündelten Fachwissen. Mit Begeisterung verfolge ich Gerts Modifikationen, Fujaks unermüdliche Optimierungen, Hans Martins Beiträge mit ungeheurem Detailwissen, Uli Brüggemanns auf den Punkt gebrachten Erkenntnisse, um nur einige zu nennen.

Ich freue mich dabei zu sein. In diesem Sinne,

Liebe Grüße
Martin
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Beitragvon chro » 26.10.2013, 07:18

Hallo und herzlich Willkommen Martin,

das liest sich sehr gut :cheers:

Was noch fehlt, sind die dazu gehörigen, hoffentlich zahlreichen Bilder :mrgreen:

auch im Bauzustand wäre das für mich persönlich sehr, sehr interessant



Beste Grüße und viel Spaß hier im Forum
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Beitragvon Udor » 26.10.2013, 07:57

Moin Martin,

von mir auch ein herzliches Willkommen.
Noch jemand der gerne mal einen Lötkolben in die Hand nimmt und noch dazu unter Linux unterwegs ist :cheers:
Mein Setup sieht ganz ähnlich aus allerdings bin ich mittlerweile wieder bei einem Win7 mit Jriver gelandet weil
eis einfach mehr Möglichkeiten bietet gerade was online faltung angeht.

Interessant finde ich deine Ausgangstrafos für die I/V Wandlung. Ich nutze momentan eine diskrete I/V Stufe von Twisted Pear (Legato) hab aber auch mal überlegt auf eine passive Trafo Lösung umzusteigen nur die DInger die Gert verwendet krieg ich bei mir nicht mehr unter.
Hast du mal mit verschiedenen I/V Stufen experementiert und wenn ja wie sind deine Erfahrungen damit ?

Ach ja und Bilder sind immer willkommen :wink:

Gruß Udo
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Beitragvon Martin » 26.10.2013, 08:24

Hallo chro und Udo,

hier ist ein Bild bei der Montage des rechten Deckenlautsprechers. Der Zusammenbau musste auf Grund des hohen Gewichts an der Decke erfolgen. Die Frontplatte wurde in kleinen Etappen Knoten für Knoten hoch gehoben. Im Vordergrund sieht man die beiden 38er Bässe. Dahinter sind die Gehäuse für Tief und Mitteltöner zu sehen.

Bild

Mit anderen DAC-Ausgangsstufen habe ich leider noch nicht experimentiert. Ich wollte eine möglichst einfache, kompakte und schnell zu realisierende Lösung. Davor hatte ich eine modifizierte Audiotrak Prodigy 7.1 Soundkarte für mein altes aktives Setup.

Liebe Grüße
Martin
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Beitragvon Hans-Martin » 26.10.2013, 09:20

Willkommen, Namensvetter, bei den ÜFüs mit den Frequenzgangverbiegern und Klangaktivatoren. :cheers:

Mögen deine Beiträge das Forum bereichern und mit Blick auf die DIY LS neue Impulse setzen!

Wie es gelingt, den Hochtöner (auf Ohrhöhe?) klanglich zu integrieren, während Mittelton bis Bass in der Decke verschwunden sind, lässt mich deinen nächsten Beitrag mit Spannung erwarten, steht doch etwas Ähnliches wie die Quadratur des Kreises bevor.

Dass du hier nicht von Kohlköppen umgeben bist, hast du schon festgestellt, aber ich habe hier noch keinen Beitrag gesehen, bei dem Mittel- und Hochton weiter als eine Wellenlänge voneinander entfernt waren. Bei der Norddeutschen Kohlregion fällt mir die flache Ostseeinsel mit der Bärenform im Umriss ein, wo ich auf einem abgeernteten Kohlfeld Jimi Hendrix live erlebt habe. Obwohl in einer von Deutschlands regenärmsten Regionen, blies der Wind Jimis Gitarrenspiel als natürliches Phasing über den Acker, der schnell vom Regen durchgeweicht war und das Festival im Matsch enden ließ. Jimi, der große Klangexperimentator hat vermutlich diese Effekte auf der Bühne gar nicht wahrgenommen. Wie du die Phasingeffekte deiner Lautsprecheranordnung in den Griff bekommst, lese ich für mich als das zentrale Thema deines Vorstellungsthreads.

<1.4. Modus ein> Uli arbeitet an einem Headtracking System für Acourate, das dynamisch anpassende Korrektursystem folgt der Kopfbewegung und korrigiert Laufzeitunterschiede der einzelnen Chassis in Abhängigkeit von der Ohrposition - mit traumhaften Ergebnissen!<1.4. Modus aus>

Vielleicht hat dein Hochtöner einen Übertragungsbereich von 500Hz aufwärts und die Übergangsfrequenz fällt ungewöhnlich niedrig aus. Die Bassanordnung in den oberen Raumecken ist eine sehr geschickte Ausnutzung der vorhandenen Deckenhöhe für die Unterbringung des erforderlichen Gehäusevolumens, und ermöglicht die Ankopplung an den Raum ohne Allison-Effekte, das ist beides sehr nahe an einem Optimum (Vorausentzerrung vorausgesetzt), aber schon beim Mittelton erwarte ich Verfärbungen, die sich nur auf den unbewegten Sweetspot fixiert korrigieren lassen.

In der Zwischenzeit hast du ein Bild hochgeladen, welches einen auffälligen Abstand der Tieftöner zur Wand zeigt, da sind Auslöschungs /Kammfiltereffekte im Übertragungsbereich zu erwarten. Hast du für die Anordnung Berechnungen angestellt, mit dem Ziel, kompensatorischer Wirkung?

Du baust ein ungewöhnliches System, bei dem ich auf das Resultat sehr gespannt bin. Ich wünsche dir da viel Erfolg und gute Unterstützung aus dem Forum, meine ist zugesichert!

Hertzliche Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Martin » 26.10.2013, 11:04

Hallo Hans-Martin,

schön von Dir zu hören! Die Kohlgegend, in der ich wohne, ist eher in Richtung Nordsee zu finden.

Die Bässe sind in etwa 1m Abstand von der Seitenwand. Die Raumbreite beträgt etwa 4 m. Dadurch werden die Quermoden weniger angeregt. Der Abstand zur Rückwand beträgt auch etwa ein Viertel der Raumlänge aus dem gleichen Grund.

Die Höchtöner befinden sich direkt unter dem Mitteltöner. Die akustischen Zentren sind etwa 5 cm von einander entfernt.

Bild

Der auf dem Bild rechte Hochtöner ist exakt auf den Hörplatz ausgerichtet. Den zweiten nach hinten strahlenden Hochtöner hatte ich zunächst nicht. Er kam dazu, weil ich gerne auch mal beim Musikhören herum laufe und es mich störte, dass direkt unter den Lautsprechern die Höhen deutlich weniger wurden.

Jetzt muss ich aber Schluss machen, meine Frau möchte mit mir Shoppen gehen und Vorhänge aussuchen!

Liebe Grüße
Martin
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Martin
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