Interpretationshilfe gesucht: Lautsprecher-Messung

Ulis Mess- und Korrekturprogramm

Interpretationshilfe gesucht: Lautsprecher-Messung

Beitragvon slarti05 » 07.05.2013, 22:43

Hallo,

ich bin gerade dabei, in einem Experiment die Eigenschaften eines Paar Lautsprechers bei echter Nahfeldaufstellung (i.e. auf dem Schreibtisch) zu studieren. Naja, eigentlich wollte ich wissen wie der Frequenzgang und das Phasenverhalten aussieht und dann ggfs. per Acourate korrigieren.

Nach der ersten Messung war ich dann doch etwas verblüfft über den Frequenzgang und die Sprungantwort und kann mir noch nicht so richtig einen Reim darauf machen. Aber vielleicht könnten mir ja ein paar Experten diesbzüglich (bitte) auf die Sprünge helfen. :?

Hier erst mal die Messung (mit AcourateLSR, kalibriertem Mikro und einem Steinberg USB Interface):

Bild

Was mich wundert:

  • Der breitbandige Einbruch im Frequenzbereich bis ca. 985 hz. Für einen Auslöschungeffekt a la Allison ist die Frequenz doch etwas hoch, oder? Ist dies eine normale Ausprägung bei einer Tischaufstellung (geneigt, mit Ständern, Hochtöner auf ca. 26cm über der Platte), und wenn ja, wodurch bedingt?
  • Die Sprungantwort des rechten Lautsprechers habe ich so noch nicht gesehen. Vollkommen unterschiedlich zur linken Box, und zunächst mal praktisch kein Abklingen. Wodurch könnte dies zustande kommen?
  • Der starke Einbruch zwischen 37hz und ca. 67 hz. Breitbandige Auslöschung durch die Tischplattenreflektion? Aber so breitbandig?
Danke für ein paar Ideen und Erklärungen im Voraus!

Viele Grüße
Ralf

P.S.: Die Boxen klingen übrigens wirklich gut... :oops:
P.P.S.: Ein Messproblem kann ich auch nicht ganz aussschließen, weil ich keinen Mikroständer zur Hand hatte und mit einem Stuhl improvisieren musste. Andererseits simuliert dies ja den Hörer ganz gut ...
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Beitragvon ESM » 07.05.2013, 22:58

Hallo Ralf,

bei einem Missverständnis kann ich dir schon mal helfen. Du zeigst für einen Kanal die Sprungantwort an und für den anderen die Pulseanwort (Pulse und seine nachfolgenden Reflexionen). Wenn Du auf Sprungantwort umschalten willst, musst du oben jeweils die entsprechende Kurve auswählen und unten dann Step aktivieren. Also für jeden Kanal explizit. ;-)

Gruß Erwin
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Beitragvon slarti05 » 07.05.2013, 23:06

Hallo Erwin,

Das ist ein guter Punkt!!! :oops: Und ein komischer Effekt wäre dann schon mal weg...
Vielen Dank (und natürlich sorry für meine Blödheit...)

Viele Grüße
Ralf
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Beitragvon Jahresprogramm » 08.05.2013, 06:40

Hallo Ralf,

aus der Ferne fällt es einem schwer zu Urteilen was passiert ist. Jedenfalls ist bei der Messung etwas schief gelaufen. Ich tippe auf etwas zuviel Zeugs in der Nähe des Mikrofons. Versuche die Messung bitte nochmal mit einem Ständer.

Notfalls Hilft auch ein Stock und viel Klebeband...

Grüße
Alex

PS: Unseres Hörempfinden ist ideal auf die Schallereignisse, welche durch unserem Kopf und Körper entstehen, eingestellt. Das können Messsysteme nicht leisten. In diesem Sinne würde ich den Stuhl bei einer Messung am Schreibtisch gänzlich weglassen.
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Beitragvon slarti05 » 14.05.2013, 19:25

Hallo,

meine Neugier ist immer noch da - irgendwie erhoffe ich mir, aus dem Nahfeldexperiment ein besseres Gefühl für die in Acourate zentralen Größen Frequenzgang, Phase und Sprungantwort zu entwickeln...

Hier also nochmal ein Update meiner letzten Messung, diesmal mit weniger Fehlern (d.h. mit Mikrohalterung und einer richtigeren Darstelllung der Sprungantwort). Zum Hintergrund: Dies ist eine Messung der Abacus C2.

Bild

Qualitativ hat sich nicht viel geändert, es gibt immer noch Auslöschungen bei rund 45hZ, 85hz und in den Bereichen um rund 600Hz und 800Hz.


  • Vielleicht gibt es ja doch ein paar Ideen, wodurch die jeweiligen Dips zustandekommen? Mir ist zwischenzeitlich aufgefallen, dass Rudolf bei seinen Messungen der Abacus A5 ein ähnliches Bild in den Frequenzen bei 600/800Hz hatte. Ist also die Schreibtischaufstellung "Schuld" oder die Abacus-Abstimmung? (Nur zur Sicherheit, die LS klingen sehr gut...)
  • In der Groupdelay-Darstellung kann ich die Übernahmefrequenz zwischen HT und TT (2-Wege) nicht erkennen (dies ändert sich auch nicht, wenn man die Psychoakustik-Acourate-korrigierten Kurven betrachtet). Hat jemand einen Tip?

Viele Grüße
Ralf
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Beitragvon uli.brueggemann » 15.05.2013, 08:31

Hallo Ralf,

ich hab mal angenommen, die C-2 stünden ca. 80 cm vor mir auf dem Schreibtisch. Meine Ohren befinden sich dann ca. 45 cm höher. Für die LS habe ich 10 cm als Abstrahlpunkt angenommen. Dann beträgt der direkte Schallweg ca. 87,3 cm. Und dann gibt es noch einen Schallweg der Länge 97 cm mit relativ harter Reflektion auf dem Tisch. Ergo treffen ein direkter Puls als auch ein reflektierter und verzögerter Puls ein. Die Verzögerung ist (97-87.3)/Schallgeschwindigkeit*Abtastrate = 14 samples

Das Bild hierzu zeigt den Kammfiltereffekt beim Frequenzgang.

Bild

Das passt ja schon mal irgendwie auch zu Deinem Bild.

Nicht erklärt wären damit die Dips bei den genannten Frequenzen 45 Hz, 85 Hz und 600-800 Hz.
Nun, die niederfrequenten Dips entstehen wohl durch Raummoden. Bezgl. der 600-800 Hz wäre es doch einfach einmal sinnvoll, die LS auf dem Schreibtisch umzudrehen und dann hinter dem Schreibtisch zu messen (Vermeidung von Reflektionseinflüssen des Tisches). Wenn diese Dips dann noch vorhanden sind, wären sie wohl als Eigenschaften der C-2 anzusehen.

Um die Übernahmefrequenz der Weiche zu erkennen, eignet sich die Group Delay-Darstellung so nicht. Dazu müsste man den Direktschall untersuchen und Einflüsse Tisch und Raum herausnehmen.

Es wäre m.E. viel zielführender, wenn man schlichtweg Messungen macht und dabei jeweils ein Chassis ausser Kraft setzt. Also Box aufschrauben, Leitung abziehen, messen etc.
Dann findet man die Übernahmefrequenz in den Diagrammen und sieht auch das Verhalten der Weiche.

Grüsse
Uli
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Beitragvon slarti05 » 15.05.2013, 13:13

Hallo Uli,

Super, vielen Dank für die Anregungen und Diskussion!

Deine Schätzung der Abstände stimmt ziemlich genau mit der tatsächlichen Aufstellung überein, so dass die Simulation sehr informativ ist.

Die Idee, nochmal ohne Tischplatte zu messen ist richtig gut - mache ich und werde berichten.

Viele Grüße
Ralf
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Beitragvon slarti05 » 18.05.2013, 19:05

Hallo,

ich habe jetzt Ulis Idee umgesetzt und die C2 im Nahfeld ohne Tischplatte gemessen:

Bild

Der FG zeigt, dass die Einbrüche im Bereich 600-1000Hz in der Tat durch die Reflexionen an der Schreibtischplatte ausgelöst werden, sie sind dann deutlich weniger ausgeprägt. Auch die leichte Überhöhung des gesamten Bassbereichs ist dann verschwunden.
Nahbereichsmessungen sind schon interessant - wann erlebt man schon mal IACC-Werte von insgesamt 91% und bei 0-80ms von rund 95%, oder Nachhallzeiten unter 0,4s? :P

Bin mal gespannt wie sich die Acourate-Korrekur auswirkt - kann ja eigentlich im wesentlichen nur noch eine FG-Anpassung werden, dass Zeitverhalten ist ja schon ganz gut.

Bleibt nur noch die Frage wie eigentlich die EMK-Regelung der Abacus einzuschätzen ist - ist das jetzt das Verhalten "wie an der Stange"??

Viele Grüße
Ralf
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Beitragvon slarti05 » 27.05.2013, 16:34

Hallo,

abschließend der Bericht zur Abacus C2 im Nahfeld mit Acourate-Korrektur.

Die folgende Abbildung zeigt den korrigierten FG und Sprungantwort aus Acourate:

Bild

Ein IACC von insges. 92% nach Korrektur (nur ein kleiner "Gewinn" von 1,2%-Punkten) liest sich schon mal gut 8) , und FG und Sprungantworten sehen wirklich gut aus. VIel wichtiger aber - es klingt sehr gut, d.h. trotz der auch ohne Korrektur schon guten Phasenlinearität merkt man sowohl eine (wenn auch nicht dramatische) Verbesserung in der Bühnenstabilität und Ortung, und gerade im Bassbereich werden die Peaks und Dips (bis auf den einen Einbruch bei ca 50Hz, den ichweitestgehend unkorrigiert gelassen habe) sehr gut ausgeglichen, so dass man einen besser detaillierten (und vollständigeren) Bassbereich erhält. Und das ganze ohne irgendeinen Nachteil - ich finde Acourate wirklich unverzichtbar...

Viele Grüße
Ralf
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