Aufwärmen, Einlaufen, Einspielen ...

Player, Streamer, Wandler, Vorverstärker usw.

Beitragvon O.Mertineit » 09.08.2015, 08:56

Hallo zusammen,

also bei fabrikneuen elektroakustischen Komponenten gibt es ganz klar Einspieleffekte ...

Die Freiluftresonanz z.B. von Tieftönern kann sich nach 2 Stunden "durchkneten" (z.B. mit niederfrequentem Sinus) durchaus messbar ändern:
5-10% sind da schonmal drin, je nach Aufbau und vorherigem Zustand der Treiber.

Das lässt darauf schließen, daß die Nachgiebigkeit der Aufhängung (Zentrierspinne, Sicken) sich durchaus mal um 10-20% ändern kann, denn die Eigenresonanz ändert sich mit der Wurzel der Nachgiebigkeit. Die bewegte Masse kann dagegen als weitgehend unabhängig von Einspielvorgängen angenommen werden.

Wenn Treiber also selektiert werden sollen oder im Zusammenspiel mit anderen Komponenten abgestimmt oder vermessen werden, so mache ich das bevorzugt mit "eingespielten" oder "vorgealterten" Komponenten. Der größte Effekt tritt naturgemäß ganz am Anfang der Einspielzeit auf. Es sind z.B. die harzgetränkten Zentriermatten, die weicher werden können.

Auch andere Strukturen zeigen Einspieleffekte:

Bei Musikinstrumenten - Violinenfamilie - verändert sich sogar die Form (in "feiner" Ausprägung) bestimmer Eigenmoden zwischen einem neuen und einem über längere Zeit eingespielten Zustand, was mit geeigneten Verfahren auch sichtbar gemacht werden kann.

Bei Lacken und Hölzern sind natürlich auch Effekte wie "Trocknung", "Luftfeuchte", "Aushärtung" (von Lacken) von Bedeutung.

Die Membranen meiner eigenen Biegewellen LS - die Membranen verfügen über Einzelsegmente aus einem gewachsenen und selektierten Holzkern, sind mit Beschichtungen versehen und auch mit Komponenten aus anderen Materialien verklebt - verändern sich auch in der ersten Zeit. Es sind aber die ersten Betriebsstunden oder Tage, in denen das meiste abgeschlossen ist. Die Beschichtungen sind durch Lagern der Teile zwar schon lange durchgetrocknet, aber auch hier gibt es Komponenten die durch mech. Beanspruchung noch etwas weicher werden.

Bei mechanischen Komponenten sind solche "Einspiel-Effekte" also völlig normal. Wenn man anfängt, auf der "feinstofflichen Ebene" Kabel zu vergleichen, dann sollte man also auch bei Lautsprecher-Vergleichen darauf achten, daß nicht "fabrikneu" gegen "eingespielt" getestet wird. Einige Hersteller montieren bereits eingespielte Komponenten, so daß beim Hörer daheim dann keine merklichen Veränderungen mehr zu erwarten sind.

Im Zweifel also mal einen halben Tag "einrauschen" lassen oder Musik in Abwesenheit spielen: Man muss nicht dabei sein und zuhören, um sich dann evt. alle 8-15min eine "entscheidende Veränderung" einzureden ... :wink:

Grüße Oliver
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Beitragvon Daihedz » 09.08.2015, 09:05

Hallo Nils
Ich verstehe diesen Thread nicht als knowledge-Base für gesichtertes Wissen, sondern als Sammeltopf für die gesamte Bandbreite zwischen Beobachtungen, Vermutungen, Hypothesen, Herleitungen und Beweisen.

FoLLgoTT hat geschrieben:... Es muss auch belegt werden, dass diese Erklärung mit dem Gehörten korreliert ...

Genau! Das wäre dann der Beweis für eine Hypothese. Als Krönung aller Bemühungen würde die daraus gewonnene Erkenntnis vielleicht dazu beitragen, "nicht-plastische", oder zumindesten "weniger-plastische" Geräte zu bauen. In diesem Sinne ist doch die Beobachtung von Frank interessant, welcher sowohl-als-auch beobachten konnte:

frankl hat geschrieben: ... Nach diesen Erfahrungen ist es für mich selbstverständlich, dass Elektronik einspielen muss. Zum Glück ist es meist nicht so extrem, wie in den beiden geschilderten Beispielen, und nach den ersten Stunden oder wenigen Tagen kann ich auch keine Klangänderungen mehr ausmachen. (Bei den Hypex Endstufen, die ich jetzt nutze, konnte ich fast gar keinen Einspieleffekt ausmachen.)...

Nun könnte man also hingehen und sich überlegen, was denn an den Hypex anders sein könnte. So, wie Du es postuliert:

FoLLgoTT hat geschrieben: ... und genau das sehe ich hier, wie so oft, nicht. Also ist die Diskussion für mich fruchtlos ... Aber ohne genaue Untersuchungen bleiben das alles eben nur Thesen. Und ich kann nicht alle Thesen glauben...)

Sicher. Es ist besser, nicht an Thesen zu glauben. Sondern diese zu überprüfen. Z.B. indem man mit dafür geeigneten Experimenten folgendes versucht:

FoLLgoTT hat geschrieben:... Es muss auch belegt werden, dass diese Erklärung mit dem Gehörten korreliert ...

Deshalb sind Thesen immer willkommen, und zunächst auch blosse, vielleicht zunächst "spinntert" anmutende Beobachtungen, welche es erlauben, Thesen abzuleiten

FoLLgoTT hat geschrieben:... ich habe schon diverse Dinge herausgefunden bzw. umgesetzt, die andere für unmöglich hielten. ...

Gerade in diesem Sinne wären Deine entsprechenden Beiträge hier hoch willkommen.

Beste Grüsse
Simon
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Beitragvon O.Mertineit » 09.08.2015, 10:28

Hallo Simon,

dann nochmal ein "Experiment aus meiner Jugend" ...

u.a. Elkos sind als "alterungskritisches Bauteil" in elektronischen Schaltungen bekannt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Elektroly ... festigkeit

http://jianghai-europe.com/wp-content/u ... er_AAL.pdf


Ich hatte vor etlicher Zeit (noch Studentenzeit) mal versucht - nicht mit wissenschaftlichem Anspruch - die praktische Alterung von (neuen) Elkos zu messen:

Dazu habe ich die Umgebungstemperatur erhöht (ergibt verstärkte Alterung ) - kräftige Baulampe in Backofen, Ofentür nur einen ganz schmalen Spalt geöffnet (sollten gut über 60 Grad gewesen sein) - und recht knapp unter ihrer zulässigen Betriebsspannung eine Wechselspannung angelegt (ich glaube, es war um 1Khz) über mehrere Tage hinweg ... ich wollte es mit den Bedingungen nicht übertreiben, denn der Aufbau sollte auch in meiner Abwesenheit noch "vertretbar sicher" sein.

Ich habe die Exemplare einzeln davor und danach bei Raumtemperatur in Resonanzkreisen vermessen, deutliche Veränderungen in Kapazität, Serien - und Parallelwiderstand hätten auffallen müssen, allerdings hatte ich wohl nur eine Messgenauigkeit im Bereich um ca. 1% (der Kapazität) zur Verfügung.

Ferner habe ich "billige" und "gemischte" Ware genommen, denn es war als "Vortest" gedacht ...

Es kam nichts dabei heraus: Ich hätte also die Belastung erhöhen müssen oder die Messgenauigkeit verfeinern. Aus heutiger Sicht müsste ich eingestehen, daß die Herangehensweise nicht sehr angemessen war (s.o.).

Aber es hat mir verdeutlicht, daß selbst Elkos - die als nicht sehr beständige elekton. Bauteile gelten - sich offenbar in Betrieb und "Einspielzeit" noch deutlich "konstanter" als z.B. neue mechanische Komponenten verhalten, wenn sie einigermaßen innerhalb ihrer Grenzen betrieben werden.


Daß einige Geräte "durch und durch" auf Betriebstemperatur sein sollten, um wirklich korrekt zu funktionieren, halte ich jedoch für einleuchtend.


Grüße Oliver
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Beitragvon KSTR » 09.08.2015, 10:47

Daihedz hat geschrieben:Hallo Nils
Ich verstehe diesen Thread nicht als knowledge-Base für gesichtertes Wissen, sondern als Sammeltopf für die gesamte Bandbreite zwischen Beobachtungen, Vermutungen, Hypothesen, Herleitungen und Beweisen.

Nach der Story von frankl würde ich noch Sommerloch-Befüllung mit lustigen Geschichten dazunehmen.

Wir erinnern uns : Ein kleines PWM-Verstärkerlein auf Tripath-Basis, soll als 'Einspieleffekt' nach einiger Zeit frequenzselektive(!) Spannungseinbrüche auf bis zu 1/10tel(!!) der Sollspannung gezeigt haben (angeblich sogar gemessen, aber wie?), die sich dann auf wundersame Weise wieder von selbst weg-repariert haben? Diese Art und Größenordnung an Änderungen muss man sich mal vor's Auge halten, seit ihr denn durch die Hitze so dermaßen naiv/indefferent geworden?

Wie man hoffentlich niemand erklären muss, sind solche Änderungen allein durch etwaige Parameterdrifts der Bauteile eines solchen Amps nicht und niemals zu erzielen, selbst wenn sich die Werte um 50% ändern würden (eher wären 5% schon extrem).
Tut mir leid, das fischelt mir alles zu sehr... ich bin raus...
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Beitragvon frankl » 09.08.2015, 13:27

Hallo Nils, ??? und andere Forenten,

es steht Euch selbstverständlich frei, meine geschilderten Erfahrungen anzuzweifeln. Ich für mich sehe aber wirklich keinen Grund, warum ich in diesem Thread blanken Unsinn für die Sommerlochunterhaltung verbreiten sollte. Mein Bericht sollte mein Interesse unterstreichen, etwas darüber zu lernen, wie meine damaligen Beobachtungen erklärt werden können.

Wenn ich meinen Beitrag jetzt nochmal lese, kann ich nur sagen, dass ich nichts übertrieben habe. Heute im Rückblick finde ich diese Vorkommnisse eher amüsant und bin aus Neugier an Aufklärungsversuchen interessiert. Damals fand ich das gar nicht so lustig, insbesondere beim Cyrus Verstärker, der zu der Zeit das teuerste Hifigerät war, das ich mir je geleistet habe, da hatte ich wirklich zuerst Bauchschmerzen, ob es nicht sehr dumm war, so etwas zu kaufen. (Der TrendsAudio war ja nur ein Billigteil zum Ausprobieren, das habe ich entspannter gesehen. Wie froh bin ich, dass ich lange genug gewartet habe, und dadurch gesehen habe, dass ich mit Class-D Verstärkern einen Riesensprung nach vorne in meinem Hifi-Setup machen kann.)

Als der Trends gehyped wurde, gab es übrigens viele andere Berichte im Netz über lange Einspielzeiten, mein Gerät war aber wohl besonders extrem.

Da danach gefragt wurde: beide Verstärker waren in dem Berichtszeitraum durchgehend eingeschaltet und die Kette wurde in dem Zeitraum nicht geändert. Zur "Messung" des Extremverhaltens des TrendsAudio: Sweep vom Notebook -> Benchmark Dac -> Trends -> Edirol USB Soundkarte -> Notebook. Wie gesagt, ich wollte das Teil ja als kaputt zurückschicken.

Ich spekuliere absichtlich nicht über Erklärungsversuche, ich habe keinen blassen Schimmer, welche Bauteile und warum für meine Beobachtungen verantwortlich waren.

Zu einem dritten Fall von extremer Einspielzeit (1000 Stunden und mehr) aus meiner eigenen Erfahrung hatte ich im vorhergehenden Beitrag nichts gesagt. Da geht es um die Fostex Fe206E Chassis, die ich in meinen Lautsprechern verbaut habe. Aus Beiträgen in diesem Thread hatte ich den Eindruck, dass Einspieleffekte bei Chassis Konsens sind. Ob die aber nur durch das mechanische "Einkneten" der Membran zu erklären sind, wage ich auch anzuzweifeln. Auch da sind starke Magnete und Elektronik im Spiel, die sicher auch zum Effekt beitragen. Und warum sollten minimale mechanische Änderungen der Membranstruktur im Chassis eher "hörbar" sein, als Oxidation, Magnetisierung, mechanische Entspannung, Kristallisation, .... und was auch immer nach Inbetriebnahme von Elektronik? Ich finde das nicht "offensichtlich".

Ich erwähne die Chassis jetzt, weil ich in diesem Fall die Entwicklung tatsächlich durch Messungen verfolgt habe. Und ich denke, dass auf gleiche Weise eventuell auch Einspieleffekte von Elektronik hörbar gemacht werden kann. Da ich meine Lautsprecher von Anfang an zusammen mit Raum- und Systemkorrektur eingesetzt habe, habe ich regelmäßig die Impulsantwort des Gesamtsystems gemessen, um Korrekturfilter zu berechen. Wenn man auf gleiche Weise misst und mit den gleichen Parametern Korrekturfilter berechnet, dann kann man später mit beiden Korrekturfiltern gefilterte Musik anhören und vergleichen. Das lässt dann zwar keinen Schluss zu, was "besser" war, aber es kann zeigen, dass es "unterschiedlich" war.

Klar, damit erhält man natürlich auch keinen Hinweis darauf, wodurch die Veränderungen zustandekommen. Es würde nur weiter unterstreichen, wie berechtigt Simons ursprüngliche Frage ist, aber keine Antwort geben.


Viele Grüße,
Frank
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Beitragvon frmu » 09.08.2015, 13:59

über 1000h .... wenn man unterstellt, das an fünf Tagen die Woche je 2h Musik gehört wird .... braucht man quasi
2 Jahre zum Einspielen ..... mmmhhhh, ok. ... :mrgreen: die Hoffnung stirbt da wohl zuletzt!

Aber da Niemand Jemandem beweisen kann wie und was ein Anderer hört ist es wirklich müßig
darüber zu streiten.

Gruß
Frank
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Beitragvon Koala887 » 09.08.2015, 14:51

KSTR hat geschrieben:Wir erinnern uns : Ein kleines PWM-Verstärkerlein auf Tripath-Basis, soll als 'Einspieleffekt' nach einiger Zeit frequenzselektive(!) Spannungseinbrüche auf bis zu 1/10tel(!!) der Sollspannung gezeigt haben (angeblich sogar gemessen, aber wie?), die sich dann auf wundersame Weise wieder von selbst weg-repariert haben?

Hab mich schon gewundert, dass das sonst keinem aufgefallen ist. :shock:
Solche starken Abweichungen wären für mich kein Einspielen mehr, sondern schlicht und einfach ein grober Konstruktionsfehler, schlechte Lötstellen oder ähnliches...

Schöne Grüße
Daniel

P.S.: Ich als (nur) Elektroniker kann mir solche Einspielvorgänge, mit dem Lehrbuchwissen allein, oft nicht erklären und habe mir z.B. auch lange eingeredet, Kabelklang gibt es nicht - dumm nur dass ich ihn trotzdem hören konnte. :roll:
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Beitragvon Daihedz » 09.08.2015, 14:54

Hallo Forenten

Dass sich elektromechanische Komponenten (wie Lautsprecher, Tonabnehmer etc.) verändern, darüber sind wir uns offenbar mehr oder weniger einig und verfügen dazu auch über Modelle. Über die plastischen Eigenschaften mechanisch eher statischer Geräte (wie z.B. Leistungselektronik, Kabel) sind wir uns jedoch nicht einig, und scheinen auch nicht über evidente Erklärungen zu verfügen - wage ich mal beim aktuellen Stand der Diskussion anzunehmen.

Wir sind sicherlich nicht die Einzigen, welche sich mit Break-In-Effekten von Elektronik beschäftigen (müssen). Ich denke dabei an die Entwickler systemkritischer Elektronik: Was ist mit dem Break-In der Elektronik von hochgenauen Mess-Systemen, Hochleistungs- und Grossrechnern, Raketensystemen (zivil und militärisch), Aviatik, Weltraumfahrt, Energietechnik wie A-Werken, Hochleistungslasern, Timer für Atombombenzünder, Zielerfassungs- und Leitsystemen und dergleichen mehr (im Falle von Militaria eher trostlosen) Goodies?

Wir könnten von den Resultaten einer solchen systematischen und industriellen Forschung, welche sicherlich über mehr Mittel als wir hier alle verfügen dürfte, lernen. Hat jemand einen entsprechenden Ein- resp. Überblick?

Querblickende Grüsse
Simon
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Beitragvon O.Mertineit » 09.08.2015, 17:41

Hallo Simon,

es gibt Bereiche in der Sensorik, wo auf Kabellängen und den sog. triboelektrischen Effekt geachtet werden muss:

http://www.mmf.de/sensorverkabelung.htm

http://www.emc-net.eu/EMV/EMV-Grundlage ... ktrik.html


Möglicherweise lassen sich in dem Umfeld auch noch neue "Kultkabel" entdecken, die man für den HiFi Bereich zweckentfremden kann ... :wink:


Grüße Oliver
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Beitragvon Hans-Martin » 09.08.2015, 17:51

frankl hat geschrieben:Ich erwähne die Chassis jetzt, weil ich in diesem Fall die Entwicklung tatsächlich durch Messungen verfolgt habe. Und ich denke, dass auf gleiche Weise eventuell auch Einspieleffekte von Elektronik hörbar gemacht werden kann. Da ich meine Lautsprecher von Anfang an zusammen mit Raum- und Systemkorrektur eingesetzt habe, habe ich regelmäßig die Impulsantwort des Gesamtsystems gemessen, um Korrekturfilter zu berechen. Wenn man auf gleiche Weise misst und mit den gleichen Parametern Korrekturfilter berechnet, dann kann man später mit beiden Korrekturfiltern gefilterte Musik anhören und vergleichen.

Hallo Frank
Diesen Gedanken hatte ich kurz nach meiner ersten Begegnung mit digitaler Raumkorrektur verfolgt, das Ergebnis war die Erkenntnis, dass man z.B. Bi-Wiring deutlich hören konnte, aber die Korrektur war gleich Null. Korrektur mit und ohne BiWire direkt umgeschaltet, kein Unterschied.
Bei Raummessungen glättet das Messsystem solche Details weg, da sind 0,1dB nix.


Ich würde die Frage nach Veränderungen im Gebrauch an den Hersteller des betreffenden Bauteils weitergeben. Nur der Hersteller hat die Prüfmethoden, die auf sein Bauteil abgestimmt sind.
Die künstliche Alterung und Lebensdauervoraussage gehören in sein Metier. Hier werden Unterschiede in skalierbare Maße/Werte umgesetzt. Das ist bestimmt interessant, für denjenigen, der objektive Werte sehen möchte.

Dass der Benutzer Beobachtungen macht, sich darüber äußert, sein Erstaunen zum Ausdruck bringt, weil er mit der Wahrnehmung nicht gerechnet hat, also offenbar auch nicht voreingenommen war, auch die Wahrnehmbarkeit jenseits eines Schwellwertes, der die Auffälligkeit oder Ausprägung belegt, sollten zu denken geben. Hier sind die Sinne gefragt, und der gesunde Menschenverstand kommt ins Staunen.
Nach der Beobachtung und Beschreibung der Effekte könnte man ein Verfahren entwickeln, mit dem man die Änderungen erfassen kann.
Nur: Wer will diesen Aufwand treiben, und wem nützt es?
Wenn ein hochwertiger Elko für 200000 Betriebsstunden ausgelegt ist, und die Einspielphase nach 1 Woche Dauerbetrieb, also nur 168 Stunden, idR überstanden ist, ist das weniger als 1 Promille der Betriebszeit.
1000 Stunden halte ich für eine Ausnahme, sowas habe ich noch nicht erlebt.

Wenn ein mit negativer Gegenkopplung kontrolliertes System eine Verknüpfung von Bauteilen hat, fällt es nicht leicht, die Eigenschaften einer Komponente isoliert im Betrieb zu betrachten. Außer man macht es steckbar und tauscht es aus und bewertet die Änderung.

Bei Endstufentransistoren kann man gelegentlich die Musik vom Kühlkörper hören, wenn keine Last wie ein Lautsprecher angeschlossen ist, die Endstufe also im Leerlauf läuft.
Und der Anpressdruck durch die Befestigungsschrauben hat einen Einfluss auf den Klang, der zu den Boxen herauskommt. Und bei Erwärmung...
Dem Schaltbildtheoretiker ist das natürlich fremd. Der sieht auch keinen Unterschied zwischen Single- und Bi-Wiring.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Hans-Martin » 09.08.2015, 18:33

O.Mertineit hat geschrieben:es gibt Bereiche in der Sensorik, wo auf Kabellängen und den sog. triboelektrischen Effekt geachtet werden muss:

Möglicherweise lassen sich in dem Umfeld auch noch neue "Kultkabel" entdecken, die man für den HiFi Bereich zweckentfremden kann ... :wink:

Alle wettbewerbsfähigen Mikrofonkabel haben eine Ausstattung, die diesen Effekt verhindert.
Übersetzt heißt triboelektrisch Reibungselektrizität, wenn es im Kabel mechanische Bewegung gibt. Noch mehr erklärt Keithley Low Level Measurement, es handelt von genauem Messen kleiner Größen und den Voraussetzungen, die dafür erfüllt werden müssen.

Muss nicht im Sinne des Aspektes Einlaufen, Einspielen beim Vergleich der Unterschiede mechanisch Ruhe herrschen? Test-Bedingungen so gleich wie möglich, bei bewegten Vorgängen müssten diese sich exakt wiederholen, was schwer zu realisieren ist. Dann lieber Unbewegtheit, also keine Bewegung, also auch keine Triboelektrizität, wie ich sie verstehe.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon ge1 » 09.08.2015, 20:22

Meiner Erfahrung nach gibt es Einspielzeit und Warmspielzeit bei Lautsprechern, darüber herrscht hier ja auch Einigkeit. Bei Kabeln für Analogsignale konnte ich weder Einspielzeit noch Laufrichtungsabhängigkeit feststellen, es sei denn (betreffend Laufrichtungsabhängigkeit), dass der Schirm nur auf einer Seite mit Masse verlötet ist.

Bei Elektronik stelle ich einen Anspruch, der bei den meisten hier anscheinend nicht an erster Stelle steht: das Gerät muss unter verschiedensten Umweltbedingungen (Luftfeuchtigkeitsunterschiede, Temperaturschwankungen etc.) und Anschlußbedingungen (Kabel etc.) eine nahezu unveränderte Performance bieten. Suspekt sind mir daher Schaltungen die sehr lange brauchen, um ihre Betriebstemperatur zu erreichen, aber auch Schaltungen mit sehr hoher Betriebstemperatur, Schaltungen mit wenig /ohne Gegenkopplung, Verstärker mit hohem Ausgangswiderstand, etc.
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Beitragvon O.Mertineit » 10.08.2015, 06:26

ge1 hat geschrieben:Bei Elektronik stelle ich einen Anspruch, der bei den meisten hier anscheinend nicht an erster Stelle steht: das Gerät muss unter verschiedensten Umweltbedingungen (Luftfeuchtigkeitsunterschiede, Temperaturschwankungen etc.) und Anschlußbedingungen (Kabel etc.) eine nahezu unveränderte Performance bieten. Suspekt sind mir daher Schaltungen die sehr lange brauchen, um ihre Betriebstemperatur zu erreichen, aber auch Schaltungen mit sehr hoher Betriebstemperatur, Schaltungen mit wenig /ohne Gegenkopplung, Verstärker mit hohem Ausgangswiderstand, etc.



Hallo @ge1,

meine Einstellung dazu ist ähnlich, ich würde Deine Einschätzungen daher unterstützen. Aber ich fürchte, es gibt gerade unter den "Kultgeräten" im HiFi Bereich das ein- oder andere, welches nicht ganz in dieses Schema passt. Für mich sind das dann tendenziell auch schlicht "schlechte" Geräte, und darunter gibt es auch sehr hochpreisige.

Wenn man es so hält, wie im Zitat beschrieben, fällt natürlich vieles an potentiellem Gesprächsstoff weg, und man wird von manchen High-Endern dann u.U. als "Technokrat" verdächtigt, dem es nicht primär um die Musik ginge ...

Dabei ist m.E. das Gegenteil der Fall: Hervorragende Musikwiedergabe verlangt m.E. nach "stabilen" Geräten, bei denen vor allem die Schnittstellen nach außen (z.B. Ausgangsimpedanzen) so gestaltet sind, daß sie unkritisch sind und ein "neutrales" Übertragungsverhalten - auch mit mit sinnvollen Sicherheitmargen - unterstützen.

Daß vermindert tendenziell auch mögliche Interaktionen mit den Eigenschaften anderer Geräte und den möglichen Einfluss von Verbindungskabeln ...


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Beitragvon Fujak » 10.08.2015, 08:28

Hallo zusammen,

auch ich gehöre zu denjenigen, die eigenen positiven Erfahrungen mit Einspielzeit skeptisch gegenüberstehen. Soll heißen: Ich meine, bei einigen Komponenten einen Einspieleffekt wahrgenommen zu haben, traue mir aber nicht zu, dessen Ursache zuverlässig zuzuordnen: Hat sich das Gerät eingespielt oder mein zerebrales Hörzentrum?

Eine dieser Komponenten, der Master 7 von Audio-GD, der bei mir einen subjektiv wahrgenommenen Einspieleffekt aufwies, wird von seinem Chefentwickler Mr. Kingwa erst nach mindestens 100 Stunden Burning-In ausgeliefert. Seinen Angaben zufolge, wird das Gerät erst nach weiteren 300 Stunden seine volle Klangqualität entfalten. Er hat in seiner Fabrikationsstätte große Regale stehen, auf dem die fertig fabrizierten Geräte vor der Auslieferung etwa 1 Woche vor sich hinbruzzeln. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Hersteller diesen Aufwand betreiben würde, wenn er sich nicht dadurch verspräche, sein Gerät nochmal klanglich aufzuwerten. Immerhin sitzt er an der Quelle und kann eingespielte mit nichteingespielten Geräten direkt vergleichen.

Grüße
Fujak
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Beitragvon Koala887 » 10.08.2015, 08:56

Hallo Fujak,
Fujak hat geschrieben:Eine dieser Komponenten, der Master 7 von Audio-GD, der bei mir einen subjektiv wahrgenommenen Einspieleffekt aufwies, wird von seinem Chefentwickler Mr. Kingwa erst nach mindestens 100 Stunden Burning-In ausgeliefert.

Die Master Serie hat 300 Std. Burn In. :wink:

Schöne Grüße
Daniel

P.S.: Das Burn In bei Audio-GD war aber eine Idee der Mitarbeiter, damit sie im Winter keine dicken Pelzmäntel mehr tragen müssen: Link :mrgreen: :lol:
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